Jahresrückblick: Internationale Singles

Jahresrückblick 2021: Die zehn besten internationalen Alben

Es ist wieder Zeit für den Mostdope-Jahresrückblick. Jeden Adventssonntag blicken wir auf das Jahr 2021 zurück und stellen euch unsere Bestenlisten in verschiedenen Kategorien vor. Welche Künstler*innen haben das Jahr mit ihren Songs, EPs oder Alben am meisten geprägt für uns?

Zum 2. Advent stellen wir euch hier unsere Top 10 der internationalen Alben vor. Welche Alben aus diesem Jahr hat die Redaktion am meisten gefeiert?

Checkt auch die anderen Listen:
Top 10 internationale Singles 2021

Honorable Mentions:

Bevor die vordersten zehn Plätze kommen, gibt es hier noch einmal eine Auswahl an Alben, die das Ranking nur ganz knapp verpasst haben. Unter den knapp 30 zur Auswahl stehenden Alben bei unserer Bestenliste haben es diese fünf Projekte zwar nicht ganz nach oben geschafft, aber unser Jahr 2021 ebenfalls stark geprägt.

• Domani – SKYDIVE
Drake – Certified Lover Boy
Isaiah Rashad – The House Is Burning
J. Cole – The Off-Season
• Lil Nas X – MONTERO


Platz 10: Nas – King’s Disease II (VÖ: 06.08.21)

Cover via Mass Appeal

Nur knapp ein Jahr nach der Veröffentlichung von »King’s Disease« ist Nas bereits mit dem zweiten Teil dieser Albumreihe zurückgekommen – und hat erneut bewiesen, dass man auch mit 48 Jahren noch zu den Besten seines Fachs zählen kann. Erneut ist Hit-Boy als Producer dabei und irgendwie scheinen sich hier zwei gefunden zu haben, denn Nas – dem man in seiner Vergangenheit häufig eine schlechte Beatauswahl zugesagt hat – scheint sich pudelwohl auf dessen Beats zu fühlen. Das hat Nas mit dem Vorgängeralbum schon seinen ersten Grammy eingebracht und auch »King’s Disease II« macht genau in diesem Modus weiter. Tracks wie »Brunch On Sundays« (feat. Blxst) oder das trappige »40 Side« zeigen, dass er auch mit der Zeit gehen kann, während Songs wie »Store Run« dagegen eins zu eins aus »It Was Written«-Zeiten kommen könnten. Features von EPMD, Ms. Lauryn Hill oder Eminem bieten ebenfalls mehr als genug Raum für nostalgische Momente.

Platz 9: Tyler, The Creator – CALL ME IF YOU GET LOST (VÖ: 25.06.21)

Cover via Columbia Records

Alle zwei Jahre veröffentlicht Tyler, The Creator ein neues Album – und zwar immer im ungeraden Jahr. Danach kann man mittlerweile die Uhr stellen und auch 2021 konnten wir uns wieder darauf verlassen, dass was Neues aus dem Hause Okonma kommen würde. »CALL ME IF YOU GET LOST« ist deutlich raplastiger als noch der Vorgänger »IGOR« geworden und hat mit der Länge, den vielen Features und den ständigen Shouts von Südstaaten-Legende DJ Drama beinahe Mixtape-Charakter. Kein Wunder, denn schon vor vielen Jahren hat Tyler auf Twitter von seinem Traum gesprochen, auch mal ein Projekt wie die »Gangsta Grillz«-Reihe machen zu wollen.

Neben dem dort üblichen Rumgeflexe und Bars über Bars wie auf »JUGGERNAUT« oder »LEMONHEAD« fällt Tylers Variante eines Mixtapes an manchen Stellen auch deutlich introspektiver aus, gerade bei Tracks wie »WILSHIRE« oder »SWEET / I THOUGHT YOU WANTED TO DANCE« wird das deutlich. »CMIYGL« gerät auf diese Weise zu einem ziemlich abwechslungsreichen und deshalb so interessanten Album, das eigentlich nur die Frage aufwirft, was er in zwei Jahren für uns bereithält.

Die vollständige Review findet ihr hier.

Platz 8: Silk Sonic – An Evening With Silk Sonic (VÖ: 12.11.21)

Cover via Aftermath / Atlantic Recordings

Das Aufeinandertreffen des Pop-Giganten Bruno Mars und des Neo-Soul Sängers, Rappers & Schlagzeugers Anderson .Paak hat spätestens nach der ersten Single »Leave the Door Open« für riesigen Hype gesorgt, egal ob unter TikTok-User*innen oder Funk-Fans aus alten Tagen. Dass die beiden aber nicht nur in der Lage sind Hits zu schreiben, sondern auch ein kohärentes Album auf die Beine gestellt haben, das hat »An Evening With Silk Sonic« bewiesen. Durch den Abend begleitet P-Funk-Legende Bootsy Collins und außerhalb von einigen Bassläufen aus der Feder von Thundercat sind die drei auf den kurz gehaltenen 30 Minuten ganz für sich.

Das reicht aber vollkommen aus, denn ganz nach dem Prinzip “All Killer, No Filler” haben Silk Sonic neun Tracks geschaffen, die fließend ineinander übergehen und die ganze Smoothness von Soul und Funk vorstellen. Langsamere Balladen wie »Put On A Smile« treffen auf schnellere Nummern wie »Fly As Me«, die beide Protagonisten zu jeder Zeit mit ganz viel Charme und noch mehr Funk-Swagger versehen.

Die vollständige Review findet ihr hier.

Platz 7: Baby Keem – The Melodic Blue (VÖ: 10.09.21)

Cover via pgLang

Wie ist das, ein Debütalbum zu machen, wenn dich eigentlich schon die halbe Welt kennt? Baby Keem kann jedenfalls ein Lied davon singen. Features mit Kanye oder Travis Scott zu haben und der Cousin von Kendrick Lamar zu sein, lassen die Erwartungen an einen selbst nicht gerade schrumpfen, aber Keem hat sich nicht wirklich davon beeindrucken lassen und ein Debüt released, das ganz locker für sich alleine stehen kann.

Komplett unbekümmert tritt der 21-Jährige auf und serviert 16 Tracks mit den unterschiedlichsten Unterbauten, die er zu großen Teilen auch noch selber produziert hat. Mehrere Tracks mit Beatswitches, intelligent eingesetzte Anleihen von bestehenden Strömungen und eine nicht leer zu werden scheinende Flowpalette: Keem hat mit »The Melodic Blue« dringend benötigten frischen Wind ins 2021er Trapgame gebracht.

Platz 6: Kanye West – Donda (VÖ: 29.08.21)

Cover via G.O.O.D Music

Neben Drakes »Certified Lover Boy« ist Kanye Wests zehntes Studioalbum »Donda« vermutlich das medial am meisten beleuchtete Projekt des gesamten Jahres gewesen. Und auch wenn die beiden jetzt (allem Anschein nach) wieder dicke sind, standen beide Alben auch in direkter Konkurrenz miteinander und sorgten sogar für einigen Beef zwischen den beiden – inklusiver einiger Zeilen in Richtung Ye auf Drizzys Album.

Neben all dem Gerede und Gemache, das abseits der Musik die Nachrichten bestimmt hat, ist zur Musik aber vor allem eins zu sagen: Während Drake auf »CLB« viele patentierte Rezepte erneut erfolgreich eingesetzt hat, hat Kanye auf »Donda« (mal wieder) viel Neues ausprobiert. Der Gospel vom Vorgängeralbum trifft auf die Trapanleihen von »The Life Of Pablo«, während er sich Featuregäste & Producer von München bis Buffalo überall herholt. Einige dieser Experimente haben funktioniert, andere nicht, aber herausgekommen ist definitiv ein Album, bei dem es sich lohnt, mehrfach reinzuhören und sich auf die Suche nach den eigenen Perlen zu machen. Die bietet »Donda« nämlich an vielen Stellen, wenn auch häufiger versteckt.

Die vollständige Review findet ihr hier.

Platz 5: BROCKHAMPTON – ROADRUNNER: NEW LIGHT, NEW MACHINE (VÖ: 09.04.21)

Cover via Question Everything

Das angeblich vorletzte BROCKHAMPTON-Album, wie es ein Tweet von Gründer und Frontmann Kevin Abstract vermuten lässt, bietet wieder mal die volle Bandbreite an Sounds. Da sind wieder die Banger, die diesmal in Form von »DON’T SHOOT UP THE PARTY« oder »BANKROLL« (feat. A$AP Rocky & A$AP Ferg) kommen und da sind auch wieder die experimentierfreudigen Dinger wie »BUZZCUT« (feat. Danny Brown) und »WHAT’S THE OCCASION«. Genretechnisch ist das gesamte Spektrum zwischen Alternative Hip-Hop und Dream-Pop erlaubt, immer wieder finden sogar Ausflüge in den Gospel statt.

Dazu kommt auf diesem BH-Projekt aber auch ein trauriges, wenngleich zentrales Thema: Der Selbstmord des Vaters von Gruppenmitglied Joba steht so ein wenig über allem und manifestiert sich insbesondere in den beiden Parts von »The Light«. Beklemmende Gefühle, die sich dadurch auftun, werden jedoch immer wieder aufgelöst durch die schiere Energie, die durch das Album hinweg zu spüren ist. Musik als Therapieform hat eine lange Vergangenheit und wird auf »ROADRUNNER« nicht nur von einem Individuum, sondern einer ganzen Gruppe genutzt, die aus etwas Schrecklichem etwas Schönes entstehen lässt.

Das Spotlight zu Brockhampton findet ihr hier.

Platz 4: Little Simz – Sometimes I Might Be Introvert (VÖ: 03.09.21)

Cover via AGE 101 Music

Ein Album wie ein Film. Nicht nur die orchestralen Produktionen an vielen Stellen sorgen für dieses Gefühl während des Hörens, auch die Interludes zwischendurch hauchen dem bisher vielleicht persönlichsten Album von Little Simz Leben ein und lassen die Hörer*innen in ihre Welt eintauchen. Dass die Rapperin & Schauspielerin dann zwei Monate nach dem Release auch noch einen Kurzfilm zum Album veröffentlicht hat, verwundert da schon gar nicht weiter.

Die Londonerin mit nigerianischen Wurzeln vereint auf diesem Album so gut wie noch nie ihre beiden Herzen. Da sind die flirrenden und lebhaften afrikanischen Percussions auf »Point and Kill« oder »Fear No Man«, während »Speed« oder »Rollin Stone« eher den trockenen, grimey Vibe der Londoner Straßen einfangen. Dieses Album wird unter Garantie auch auf vielen weiteren Jahresendlisten landen und zeigt wie wenig andere Alben so konkret auf, wie vielfältig Hip-Hop eigentlich sein kann.

Das Spotlight zu Little Simz findet ihr hier.

Platz 3: slowthai -TYRON (VÖ: 12.02.21)

Cover via Method Records

Unser internationaler Song des Jahres stammt von ihm, im Albenranking hat es für slowthai dagegen “nur” für den dritten Platz gereicht. Trotzdem, sein zweites Album »TYRON« ist großartig geworden und nochmal eine deutliche Weiterentwicklung vom starken Debüt »Nothing Great About Britain«. Auf »TYRON« vereint der Rapper aus Northampton zwei seiner Seiten, die nicht gegensätzlicher sein könnten und zeigen, was für ein komplizierter Charakter dieser Tyron Frampton eigentlich ist.

Die Provokationen gegen Boris Johnson oder der Eklat bei den NME Awards sind die eine Seite von slowthai, die laute, die dreckige und die provokative. Diese Seite wird auf der Platte von Track 1-7 ausgiebig vorgestellt. Hier dominieren Wut, Aggressionen und Caps Lock. Ganz anders aber Tracks 8-14 auf »TYRON«. Diese – diesmal alle klein geschriebenen – Songs lassen die Stimmung schlagartig kippen und zeigen ihn von seiner verletzlichen Seite. Themen wie der Verlust seines Bruders, Selbstmordgedanken und mentale Störungen komplettieren das Puzzle und lassen zurück: Das Bild eines mit Problemen überhäuften Menschen, der diese schonungslos offenlegt und mithilfe der Musik auch ein Stück weit daran reift.

Die vollständige Review findet ihr hier.

Platz 2: Vince Staples – Vince Staples (VÖ: 09.07.21)

Cover via UMG Recordings

Klar, im Streamingzeitalter dienen Alben mehr und mehr aus. Kurze, für die Streamingdienste optimierte Singles dominieren und auch Alben werden kürzer. Auch unseren zweiten Platz könnte man auf den ersten Blick problemlos darauf reduzieren. Vince Staples selftitled Album ist sein mittlerweile viertes full-length Projekt und mit nur knapp 22 Minuten Spielzeit sehr kompakt gehalten. Keiner der zehn Songs erreicht auch nur eine Länge von drei Minuten. Dass man aber auch mit dieser Ausgangslage eine absolute Dichte und Kohärenz auf seinem Album schaffen kann, das hat Vince hier erneut unter Beweis gestellt.

Wie schon beim ebenfalls 22 Minuten kurzen Vorgänger »FM!« hat Kenny Beats das Zepter in Sachen Produktion in der Hand. Waren es bei »FM!« noch neun der elf Tracks, hat Kenny jetzt alle Tracks produziert und gibt damit den klanglichen Rahmen des gesamten Albums vor. Vince dagegen wird auf »Vince Staples« so persönlich wie vielleicht noch nie zuvor. Nicht, dass er diesen Hang nicht schon immer gehabt hätte, aber auf diesem Album betrachtet er seine Geschichte aus ganz neuen Perspektiven – und das alles ganz ohne ausschweifende Storyteller auf 12 Minuten.

Das Spotlight zu Vince Staples findet ihr hier.

Platz 1: Dave – We’re All Alone In This Together (VÖ: 22.07.21)

Cover via Dave / Neigbourhood Recordings

Er ist gerade mal 23 Jahre alt, es ist erst sein zweiter Langspieler und trotzdem hat man das Gefühl, dass Dave schon einer der gesetztesten Rapper derzeit ist. Sein im Juli erschienenes Album »We’re All Alone In This Together« untermauert diesen Gedanken erneut. War Vince Staples Album noch Kompaktheit in seiner Reinform, so ist Daves Ansatz mit seinen 61 Minuten genau der Gegenentwurf.

Mit der neuen Platte begibt sich der Londoner – wie schon auf seinem grandiosen Debüt »PSYCHODRAMA« – auf Spurensuche. Angefangen bei sich selbst, wandert er dieses Mal aber auch auf den Pfaden der Generationen vor ihm. Der beinahe zehnminütige Herzstück-Track »Heart Attack« stellt das wohl am Besten unter Beweis und gewährt Einblick in das Seelenheil einer gesamten Familie und Kultur. Die Fortsetzung vom 2016er Track »Panic Attack« behandelt Identität, Wurzeln und Hindernisse in einer derart eindrücklichen Art und Weise, dass man zunächst gar nicht mitbekommt, wie der Beat irgendwann einfach aussetzt und nur noch gesprochen wird.

Und auch wenn »Heart Attack« bei weitem nicht der einzige tiefschürfende Track des Albums ist, so beinhaltet unser Platz 1 auch sorgenfreiere und tanzbarere Songs. Boj und WizKid bringen bspw. nigerianischen Flair in die Mitte des Albums, wenn sie »Lazarus« und »System« mit ihren Features veredeln. »Clash« markiert dagegen die erste Zusammenarbeit zwischen Dave und Stormzy und lässt die beiden den Status Quo feiern, den man sich nach harter Arbeit und einem steinigen Weg erkämpft hat.

Dass Dave in UK längst Superstar-Status hat, Preis nach Preis abräumt und die Gratwanderung zwischen Kritikerliebling und Mainstreamerfolg schafft, hat seinen Grund. Irgendwie scheint dieser Mann schlichtweg nicht imstande zu sein, schlechte Musik zu fabrizieren und hat eine Erzählungsgabe, um auch zehnminütige Tracks wie im Flug vergehen zu lassen. Da werden noch weitere große Sachen auf uns zukommen. Für den Moment haben wir »We’re All Alone In This Together«!

Die vollständige Review findet ihr hier.