Jahresrückblick 2023: Die zehn besten internationalen Alben

Es ist wieder Zeit für den Mostdope-Jahresrückblick. Jeden Adventssonntag blicken wir auf das Jahr 2023 zurück und stellen euch unsere Bestenlisten in verschiedenen Kategorien vor. Welche Künstler*innen haben das zurückliegende Jahr mit ihren Songs, EPs oder Alben am meisten geprägt für uns?

Zum 2. Advent stellen wir euch hier unsere Top 10 der internationalen Alben vor. Welche Tracks aus diesem Jahr hat die Redaktion am meisten gefeiert?

Honorable Mentions

Bevor die vordersten zehn Plätze kommen, gibt es hier noch einmal eine Auswahl an Tracks, die das Ranking nur ganz knapp verpasst haben. Unter den über 40 zur Auswahl stehenden Alben bei unserer Bestenliste haben es diese Projekte zwar nicht ganz nach oben geschafft, aber unser Jahr 2023 stark geprägt.

• Dave & Central Cee – Split Decisions EP
• Westside Gunn – And Then You Pray For Me
• Larry June & The Alchemist – The Great Escape
• Dominic Fike – Sunburn
• KitschKrieg – German Engineering Vol. 1


Platz 10: Olivia Dean – Messy (VÖ: 30.06.23)

Olivia Dean's Debütalbum »messy«: In der Schönheit des Durcheinanders
Cover via Universal Music Group

Platz Zehn unseres Jahresrückblicks der internationalen Alben führt zu Olivia Dean, die uns mit ihrem kreativen Chaos viel Freude bereitet hat. Wie bereits im Mostdope-Soundcheck aufgeführt, hat die Engländerin auf ihrem Debüt vieles vereint, was sie bereits auf den drei zuvor erschienenen EP’s angeteast hat: Ohrwürmer, eine unverkopfte Art und Weise an Musik und Genres heranzugehen und eine kraftvolle Stimme, die nicht wirklich auf eine 1999 geborene Künstlerin schließen lassen würde. Was heraus gekommen ist: Ein 12 Tracks starkes Album, das tiefgründig wie eingängig gerät und scheinbar mühelos zwischen Pop, R&B, Soul und Hip-Hop Elementen hin und her springt. Das kann zuweilen »Messy« wirken und doch leitet Dean gekonnt durch die 35 Minuten und lebt den Gedanken musikalisch aus, den wohl jede*r für sich selber schonmal hatte: Chaos ist es nur dann, wenn man selber den Überblick darin verliert – und das scheint sie zu keiner Sekunde zu machen.

Platz 9: Metro Boomin – HEROES & VILLAINS (VÖ: 02.12.22)

Cover via Boominati Worldwide

Streng genommen ist »HEROES & VILLAINS« schon letztes Jahr erschienen aber für unser 2022er Ranking hat es sich aufgrund seines späten Releasetermins nicht mehr qualifiziert – dafür aber war es bereits im letzten Dezember fest vorgemerkt für 2023. Und tatsächlich hat Metro Boomin’s Produceralbum dem Lauf der Zeit gut widerstanden und sich ein ganzes Jahr gegenüber den neuen Releases behaupten können.

Und das aus gutem Grund: Vernetzt bis zum geht nicht mehr und eine Soundkulisse, die beinahe orchestral (siehe auch seine Liveshow mit einem ganzen Orchester) anmutet. Dazu eine ausgeklügelte Promophase rund um das Konzept von Gut vs Böse – fertig ist ein rundum gelungenes Album, das sehr viel Replayvalue hat und bei jedem Hördurchgang potentiell neue Favoritensongs hervorbringt.

Es gibt auf jeden Fall ein Argument dafür, dass Metro Boomin der beste Produzent der letzten zehn Jahre gewesen ist – und dieses Album unterstützt diese These nur weiter.

Platz 8: JPEGMAFIA & Danny Brown – Scaring The Hoes (VÖ: 24.03.23)

Cover via PEGGY

Wenn zwei der avantgardischsten Rapper unserer Zeit aufeinandertreffen, kann eigentlich nur ein Album wie dieses hervorkommen: Chaotisch, bestenfalls unkonventionell bis hin zu anarchisch, durchgedreht und Detailverliebtheit an jeder Ecke. New York-Producer/Rapper JPEGMAFIA und Detroit-Rapper Danny Brown haben uns im März diesen Jahres ein wahnwitziges Album beschert, das nicht zu Unrecht »Scaring The Hoes« betitelt wurde. Angelehnt an das Meme wird damit gemeinhin etwas gemeint, das mit Ansage nicht jedermanns Sache sein wird – doch für die Leute, die sich auf ausgefallene, experimentierfreudige Crossover-Musik einlassen können gibt es viel zu entdecken!

Platz 7: Daniel Caesar – NEVER ENOUGH (VÖ: 07.04.23)

Cover via Hollace Inc.

Ein Album, das bereits im Mostdope-Soundcheck als “Neo-Soul at it’s best” betitelt wurde hat es auch in unsere Jahresbestenliste geschafft. Der kanadische R&B/Neo-Soul Sänger Daniel Caesar ist seit Jahren eine absolute Instanz in seinem Feld und hat über seine Karriere bereits Beziehungen zu anderen High Profile-Künstler*innen wie Justin Bieber, H.E.R. oder Kali Uchis aufgebaut.

Sein neuestes Album »NEVER ENOUGH« knüpft nahtlos an seine gefeierten Alben wie »Freudian« oder »CASE STUDY 01« an und macht gleichzeitig eine ganze Menge anders. Allen voran die teils beinahe minimalistischen Produktionen – übrigens zumeist aus seiner ganz eigenen Feder – lassen viel Raum für Caesars einnehmende Stimme, die er sehr bewusst einzusetzen weiß.

Platz 6: Travis Scott – UTOPIA (VÖ: 28.07.23)

Soundcheck: Travis Scott - Utopia
Cover via Cactus Jack / Sony

Wenn einer der größten Künstler unserer Zeit fünf lange Jahre kein Album released und gleichzeitig seit Jahren das kommende Album hyped als wenn es kein Morgen gäbe, dann kann man sich sicher sein, dass ALLE Augen auf das Release gerichtet sein werden und dass jeder einzelne Moment dieses Albums auf den Prüfstand gestellt wird. Davon kann bspw. Kendrick Lamar ein Lied singen und davon konnte Travis Scott in diesem Jahr mit »UTOPIA« ebenfalls ein Lied singen.

Aber, ähnlich wie Kendrick, konnte Travis dem Hype zumindest stückweise gerecht werden. Ein 19 Tracks-Blockbuster mit einer Featuredichte, wie sie nur wenige Artists wohl so zusammenbekommen könnten, und jeder Menge ausgelassener Experimentierfreude ist so zusammengekommen. Die Pompösität von »ASTROWORLD« trifft auf die ungezügelte Kreativität von »Rodeo« und bringt einen Mix aus diesen beiden grandiosen Alben hervor, der mit der Zeit eher besser wird als abzuflauen droht.

Platz 5: Jungle – Volcano (VÖ: 11.08.23)

Cover via Caiola Records

Die britische Neo-Soul-Funk Band Jungle bringt seit 2014 nur tanzbare Album auf den Markt. Das neue Werk »Volcano« überzeugt mit noch mehr nostalgischem Groove und einer unglaublichen Coolness, die beim Hören einfach übertragen wird. Dabei schaffen es die beiden Kindheitsfreunde Josh Lloyd-Watson und Tom McFarland wieder eine sehr passende Auswahl an Artists für »Volcano« zusammenzubringen. Erick The Architect, Channel Tres, Roots Manuva, Mood Talk und Bas sind die perfekten Kollaborations Partner*innen für dieses von Funk nur so triefende Album.

Ein weiteres Highlight und Aushängeschild für Jungle sind die Musikvideos, welche die fast schon verloren gegangene Kunst von Tanz Musik Videos zum Leben erwecken. Auf Volcano haben sich J & T Head Choreographer Shay Latukolan an Bord geholt. Diesem gelingt es zusammen mit einem unglaublich talentierten Team aus Tänzer*innen perfekt die Idee hinter der Musik zum Leben zu erwecken. Hut ab! Wessen Füße, Hüften und Schultern da nicht mitwippen, können wir auch direkt für Scheintod erklären.

Platz 4: Killer Mike – MICHAEL (VÖ: 16.06.23)

Cover via VLNS

Killer Mike ist hierzulande den meisten wohl als Mitglied des Duos Run The Jewels bekannt. Mit 48 Jahren hat der Rapper und Entrepreneur aus Atlanta nichts mehr zu beweisen. Sowohl musikalisch wie auch durch sein soziales Engagement hat Killer Mike ein beachtlicher Fußabdruck hinterlassen. Dennoch ist »Michael« ein Album das direkt nach erscheinen ein großen Platz in unserem Herzen eingenommen hat. Das Album ist eine gelungene Reflektion über sein bisheriges Leben, mit allen höhen aber auch tiefen, wie z.B den Tod seiner Mutter welchen er auf dem Song »Motherless« verarbeitet. Ein sehr starkes Album, das in jedem Plattenregal ein besonderen Platz verdient hat.

Platz 3: Lil Yachty – Let’s Start Here (VÖ: 27.01.23)

Albumcover: Lil Yachty - Let's Start Here
Cover via UMG

Wohl eine der größten Überraschungen dieses Jahr war das Album »Let’s Start Here« von Lil Yachty. Ein völlig unerwartetes psychedelisches Album, das irgendwo zwischen Indie, Rock, Alternative und Hip Hop in völlig anderen Sphären schwebt und dabei selbst einen Questlove umhaut. Dieser widmete dem Album einen ganzen Post und nannte es passenderweise Yachtys „departure album“. Ein Album, bei dem ein artist also eine komplett andere Richtung einschlägt. Im Fall von Lil Yachty ist dies gelungen und er hat mal eben das ganze Hip Hop Genre auf den Kopf gestellt und lässt uns mit Spannung auf die Zukunft blicken. Oder in Questloves Worten: „whatever you put in your Wheaties bro….keep goin.“ 

Platz 2: Sampha – Lahai (VÖ: 20.10.23)

Cover via Young

Nach sechseinhalb Jahren erschien dieses Jahr endlich das neue Album von Sampha »Lahai«. Nachdem Fans seit »Process« 2017 auf dessen Fortsetzung warten, war die Hoffnung fast schon verloren. Fast hätten wir uns damit abgefunden, Sampha nur noch wie ein Einhorn als Feature und/oder Producer auf Tracks von Kendrick Lamar, Solange, Stormzy  oder SBTRKT zu erhören. Aber manchmal braucht es eben etwas länger, um etwas wunderschönes zu schaffen. »Lahai« behandelt das Thema Familie und ihre vielen Facetten. Vor allem trägt es aber eine Spiritualität und Hoffnung in sich, die Sampha wohl vor allem auch durch die Geburt seiner Tochter erlangt hat. Ein wirklich schönes und besonderes Album. 

Platz 1: Little Simz – NO THANK YOU (VÖ: 12.12.22)

Soundcheck: Little Simz - No Thank You

Mehr als verdient an erster Stelle gelangt dieses Jahr (mit einem Album aus dem letzten Jahr) Little Simz. Schon mit ihrem ersten Album »A Curious Tale of Trials + Persons« hat Little Simz sich in der UK Szene durch ihren ganz eigenen Stil und lyrische Fertigkeit behauptet. Seitdem übertrifft sie mit jedem neuen Werk das vorherige.

Ihr Stil bleibt unübertroffen und auch wenn es viele gute Lyriker*innen in den UK gibt, gibt es nur eine Little Simz. Dabei ist es wichtig zu verstärken, dass sie sich nicht nur als female Rapperin behauptet, sondern als Artist. Punkt. In eine Schublade passt sie eh nicht und lässt sich auch von niemand anderem in eine stecken. Das neue Album »NO THANK YOU« erschien bereits im letzten Dezember. Produziert von Inflo ist es ein Konzeptalbum, das auch als eine Abrechnung mit der Major Label Musikindustrie gehört werden kann. Das Wort „Nein“ besitzt eine unglaubliche Kraft, und das hört man bei Little Simz. Dass dieses Wort nicht immer einfach ist und erlernt werden muss, hört man ebenfalls. Ein großartiges Album, das sie an unsere Spitze bringt.