Jahresrückblick 2022: Die zehn besten internationalen Singles

Jahresrückblick 2022: Die zehn besten internationalen Singles

Es ist wieder Zeit für den Mostdope-Jahresrückblick. Wir blicken auf das Jahr 2022 zurück und stellen euch unsere Bestenlisten in verschiedenen Kategorien vor. Welche Künstler*innen haben das zurückliegende Jahr mit ihren Songs, EPs oder Alben am meisten geprägt für uns?

Hier findet Ihr unsere Top 10 der internationalen Singles. Welche Tracks aus diesem Jahr hat die Redaktion am meisten gefeiert?

Honorable Mentions

Bevor die vordersten zehn Plätze kommen, gibt es hier noch einmal eine Auswahl an Tracks, die das Ranking nur ganz knapp verpasst haben. Diese fünf Tracks haben es zwar nicht ganz nach oben geschafft, aber unser Jahr 2022 stark geprägt.

Denzel Curry & slowthai – Zatoichi
Denzel Curry – Walkin’
Joey Bada$$ & Men I Trust –
Show Me
Koffee –
Shine
Jessie Reyez –
FRAUD


Platz 10: Lil Yachty – Poland

Den Titel für das Meme des Jahres hat sich Anfang 22′ zwar eigentlich schon Gunna mit »pushin p« gesichert, doch Lil Yachty hatte anscheinend noch was dagegen: Mit der Hookline von »Poland« legte er einen der verrücktesten Ohrwürmer überhaupt vor. Klar, am Anfang kommt das “WooOoOoOck” noch komisch, doch nach drei, vier Mal Hören muss man unweigerlich selber anfangen mitzusummen.

Platz 9: IDK & Denzel Curry – Dog Food

Warum es solange gebraucht hat, bis KAYTRANADA und IDK zusammengearbeitet haben wundert uns sehr, nachdem die Chemie zwischen den beiden so offensichtlich stimmt. »Simple.« ist ein Projekt, in dem einfach alle Lieder stimmen und insgesamt eine Energie erschaffen wird, die ansteckend ist. Aushängeschild ist der Track »Dog Food«, auf dem neben IDK auch Denzel Curry zu hören ist. Die drei haben es geschafft, das Thema Heroin und Drogenhandel in einem tanzbaren Track zu verpacken, der einfach nur ein absoluter Vibe ist. Auch wenn IDK etwas anderes meint, wenn er singt „the block is hot“, wird uns trotz der eigentlich ernsten Thematik beim Hören jedes mal ganz warm ums Herz. 

Das Video-Interview mit IDK auf dem splash! Festival 2022 findet ihr hier.

Platz 8: Knucks & SL – Nice & Good

UK-Rapper Knucks hat gerade erst bei dem MOBO Awards Album of the Year mit seinem Projekt »Alpha Place« abgeräumt. Für uns mehr als verdient. Ein Beispiel wieso dieses Album auch in Deutschland mehr Liebe verdient hätte, ist der Track »Nice & Good«. Das Lied ist britisches Understatement pur, fast schon unaufgeregt spielen sich Knucks und SL gegenseitig die Verses zu. Beim Hören wird man eingelullt und komplett in die leicht melancholische Atmosphäre eingezogen. Knucks schafft es auf dem ganzen Album uns in die Welt rund um den Alpha Place zu versetzten. Wenn die Melodie von »Nice & Good« langsam versiegt und das Outro erklingt, erwachen wir aus dem Hypnose Zustand und wundern uns, wie wir so schnell vom Alpha House in London wieder in unsere Welt gelangen konnten.

Platz 7: Vince Staples – WHEN SPARKS FLY

Vince war schon im letzten Jahr ordentlich vertreten in unserem Jahresrückblick (zum Jahresrückblick 2021) und auch in diesem Jahr hat er wieder wie gewohnt geliefert. Sein Album »RAMONA PARK BROKE MY HEART« war voll mit guten Songs, doch »WHEN SPARKS FLY« hat es uns ganz besonders angetan. Der 90’s Vibe, die vielen Doppeldeutigkeiten zwischen Liebe zu einer Person und einer Waffe sowie sein unschlagbarer Chill, mit dem er dem Beat begegnet – alles stimmt.

Den Soundcheck zu »RAMONA PARK BROKE MY HEART« findet ihr hier.

Platz 6: Loyle Carner – Nobody Knows (Ladas Road)

Die Message! Das Sample! Das Video! Bei Loyle Carners »Nobody Knows (Ladas Road)« ist alles top-notch. Der Brite nutzt einen Gospelsound von Pastor T.L. Barrett and the Youth for Christ Choir und durchwühlt seinen eigenen kulturellen Hintergrund von hinten nach vorne. Wie es ist, sowohl Teil der Schwarzen als auch der Weißen Community zu sein und trotzdem nirgendswo so richtig Fuß fassen zu können wird ebenso thematisiert wie der Tod seines Vaters. Ein ganz starker Track, der mit seinem Gospelsound trotz schwerer Thematik Hoffnung verbreitet!

Das Video-Interview mit Loyle Carner zum Album »Hugo« findet ihr hier.

Platz 5: Kendrick Lamar – Rich Spirit

Kendrick Lamar ist der Meister des Dramatischen. Das hat er dieses Jahr einmal mehr durch sein absolut geniales Album »Mr. Morale & The Big Steppers« bewiesen. Wie in einem Film führt er uns durch unterschiedliche Szenen, während er in seine Texten so offen wie nie zuvor sein früheres Verhalten reflektiert. Ein Lied, das häufig als minimalistisch beschrieben wird, aber schnell zu einem Fan-Favorite wurde, ist »Rich Spirit«. Wie im zugehörigen Musikvideo tänzelt Kendrick in diesem Song leichtfüßig über den Beat. Es ist ein Song, in dem wahrscheinlich jede*r etwas anderes hineininterpretiert und sich gerade dadurch aufgehoben fühlt. Einsamkeit, Narzissmus, Loyalität oder Selbstliebe sind eigentlich allesamt schwere Themen, die angesprochen werden und dennoch fühlt sich der Song wahnsinnig befreiend an. Außerdem war der Moment, in dem Kendrick Lamar auf seiner Tour das ganze Publikum „B*tch I’m attractive“ singen lassen hat einer unser absoluten Highlights des Jahres.

Den Soundcheck zu »Mr. Morale & The Big Steppers« findet ihr hier.

Platz 4: Benny The Butcher & J. Cole – Johnny P’s Caddy

Feature Cole = Best Cole heißt es ja nicht selten und da ist auch trotz seiner eher spärlich gehaltenen Gastparts tatsächlich was dran – es gibt kaum einen Featurepart vom Superstar, der nicht einen eh schon guten Track noch einmal das nächste Level hochstößt. In diesem Fall braucht es allerdings dieses nächste Level kaum, denn Griselda-Mitglied Benny The Butcher legt eh schon los, als ob das hier sein letzter Track sein sollte und er es noch einmal allen beweisen wolle.

Gemeinsam reflektieren die beiden ihren Erfolgsweg und auch wenn das thematisch nicht das Rad neu erfindet, so ist die Art und Weise wie sie das vermitteln doch besonders. Besonders interessant dabei ist, dass Benny wohl niemals für den Featurepart zahlen musste und Cole sich trotzdem so verausgabt hat für seinen Part. Großer Song und ein großartiges Intro zum vierten Teil von Benny’s »Tana Talk«-Reihe.

Den Soundcheck zu »Tana Talk 4« findet ihr hier.

Platz 3: Pusha T – Diet Coke

“Yesterdays prices is NOT todays price” – mit diesen Worten aus Fat Joes Mund empfing uns Pusha T auf seiner ersten Soloalbumsingle seit fünf Jahren und sorgte damit gleich mal für klare Verhältnisse. Spätestens ab dem darauf einsetzenden Beat von 88-Keys und Pushas wie immer tausend verschachtelten Metaphern über Weißes war klar: Die lange Wartezeit auf ein neues Pusha T Album hat sich gelohnt.

Den Soundcheck zu »Almost Dry« könnt ihr hier nach lesen.

Platz 2: Steve Lacy – Bad Habit

»Bad Habit« war wohl einer der größten und viralsten Songs des Sommers.
Vielen hierzulande sagte der Name Steve Lacy Anfang des Jahres vermutlich noch nicht allzu viel, obwohl der Durchstarter schon seit vielen Jahren, mitunter mit seiner Band The Internet, Musik macht und seinem plötzlichen Erfolg damit nun mit einem durchaus stabilen Backkatalog ein ordentliches Fundament geschaffen hat.
Kollaborationen mit Künstlern wie Tyler the Creator, Solange, J. Cole, Kali Uchis, Thundercat und Mac Miller tun an der Stelle ihr übriges.

Mit hunderten von Millionen Streams ist »Bad Habit« nun einer der meistgespielten Tracks auf Spotify und ein certified Welthit.

Platz 1: Kendrick Lamar & Sampha – Father Time

Unser Song des Jahres kommt von einem Kendrick Lamar in Bestverfassung – allerdings zu fast genauso großen Teilen auch wegen seines Featurepartners Sampha, der diesen Song wirklich noch einmal grandios veredelt. Gemeinsam nehmen sich die beiden dem riesigen Thema der generationenübergreifenden toxischen Maskulinität an und wie sie durch Väter wieder und wieder weitergegeben wird. Der Bogen, der dabei zur Gangkriminilität und vieler sinnloser Gewalt geschlagen wird, ist atemberaubend und eingebettet ist es dann auch noch in seine eigene Biographie. Ein Wahnsinnssong, der in seinem eh schon großartigen Album noch einmal einen Standout-Track darstellt.

Den Konzertbericht zu Kendrick Lamars Live-Auftritt in Hamburg könnt ihr hier nachlesen.