Mit dem Februar ging zwar der kürzeste Monat des Jahres zu Ende, doch wir durften mit Freude feststellen, dass dies der Fülle an vielversprechender neuer Musik keinen Abbruch getan hat. Also konnten wir uns (mal wieder) nicht nur für ein einziges Album des Monats entscheiden, sondern gehen mit folgenden drei Projekten an den Start:
GOODCOMPANY. – KOMFORTZONE

Es ist gerade mal Anfang des Jahres und da sind schon die ersten Songs für die neue Sommer-Playlist gefunden?!
»KOMFORTZONE« ist zwar erst das erste Full-Length-Projekt von dem frisch gegründeten Kollektiv GOODCOMPANY. um Veli, cuffa, *maliiik und jamalsrevenge, doch wirkt die EP sofort vertraut und gleichzeitig wie ein frischer Wind fürdie deutsche Hip-Hop-Welt. Mit Songs wie »DND« und »Superfly« kreiert das Kollektiv eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Nicht nur der Laid-Back-Flow, der sich durch alle 7 Tracks zieht, sondern vor allem das Storytelling und die Dringlichkeit der Vier schieben sich in den Vordergrund und prägen sich ein. Kurz gesagt: GOODCOMPANY. haben viel zu sagen. Und wir dürfen zuhören und mit viben.
“F*ck die Welt, wir machen alles selbst, ich krempel alles um
Und hör’ erst auf, wenn mir der Scheiß gefällt” – »DND«
Ob die EP nun den gewählten Titel trägt, weil man sich außerhalb der Komfortzone getraut hat, oder ob die gemeinsame Musik eben einen vertrauten Rückzugsort darstellt, bleibt offen. Aber egal, wie man es interpretieren mag, »KOMFORTZONE« hat seinen Platz als EP des Monats mehr als verdient.
Und wir freuen uns auf eine musikalische Zukunft mit GOODCOMPANY. !
Lara Binge
LONGJ – SCHWARZER ANZUG

»SCHWARZER ANZUG«, so der Titel, beschreibt treffend die Dichotomie, die sich hinter dem Debütalbum des Hamburger Rappers longJ verbirgt. Obschon auf einem industriellen Klanggerüst zeitgenössischer Trap mit Chor-Einsätzen kollidiert, imposant destruktive Sounds mit einer Autotune-verzerrten Kopfstimme kollidieren, spielen sich auf Textebene rundweg andere Polaritäten ab.
Der Erfolg (und damit auch das Streben nach ihm) stehen hierbei im Mittelpunkt. Ob er jedoch zelebriert oder als Notwendigkeit und einzige Chance auf Besserung dargestellt wird variiert. Der Newcomer wechselt mühelos von Imagerap hin zu bitter-ehrlichen Schilderungen persönlicher Erlebnisse wie zum Beispiel die Anwesenheit bei einem Terroranschlag in der belgischen Hauptstadt auf »Brüssel 2016«. Während sich longJ augenscheinlich auf einem Bett aus Authentizität und Dekadenz wiegt, lässt er kontinuierlich seine Fassade bröckeln und Schicht für Schicht, Song für Song, den schwarzen Anzug fallen, hinter dem er sich gezwungenermaßen versteckt. All das kulminiert auch im gleichnamigen Titeltrack »Schwarzer Anzug« in dem er ein experimentelles Zeugnis des omnipräsenten Drucks, der sich letztendlich in ex- und intern gerichtetes destruktives Verhalten wandelt, ablegt.
Mit einer Vielzahl vielversprechender Producer wie Bluprint, lex!, Thisisyourcyan und Waterboutus sowie einem flächendeckenden Ensemble Hamburger Featuregäste, wie Charlize, G A W A, Vz55 und KALO setzt longJ mit »SCHWARZER ANZUG« ein von Ausdrucksstärke und Diversität geprägtes Zeichen, dass in der Kategorie der Debütalben seinesgleichen sucht.
Michail Weiss
$OHO BANI – LISTEN CAREFULLY

Songnamen sind überbewertet, wenn doch die Qualität für sich spricht. Das scheint zumindest die Herangehensweise von $oho Bani bei seinem neuen Album gewesen zu sein, hat er doch jeden einzelnen der elf Tracks von »listen carefully« stumpf »Song 1«, »Song 2«.. (man kann sich den Rest erschließen) genannt. Auch die Coveraufmachung ist ganz New-Gen-d’accord bewusst mühelos gehalten. Ein Schnappschuss eines Kaninchens mit Bobfrisur, ein neutraler Hintergrund und in der most basic Schriftart dann der verpixelt zu lesende Titel: »listen carefully«.
Dieser Empfehlung folgend, lassen sich dann aber eine ganze Reihe an wohlbedachten Zeilen, Songstrukturen und Features auf $ohos erstem Album seit 2024 finden. Denn wo der Berliner in der Vergangenheit schon immer wieder auf Festivals, in Interviews oder auf dem letzten Album »listen carefully« seine Haltung nach außen getragen hat, so wird sie auf dem neuen geschickt in seine eigenen Erzählungen eingewoben. $oho Bani hatte vielleicht noch nie so viel zu sagen, ohne dass er es explizit machen muss. “Und wir haben angefangen, kein‘n Fick zu geben / Weil genauso habt ihr’s uns gezeigt” heißt es da zum Beispiel auf dem dritten Song und es wird im Verlauf des Albums immer offensichtlicher, dass $oho viel Zeit mit der Reflektierung seines Stand in der Welt und in der Gesellschaft verbringt.
Matthi Hilge




