Soundcheck: Freddie Gibbs - $oul $old $eperatley
Foto via Nick Walker / Warner Music

Freddie Gibbs – $oul $old $eparately // Review

Freddie Gibbs ist mittlerweile ein echter Hip-Hop Veteran. Bereits im Jahr 2010 konnte man ihn neben J. Cole, Wiz Khalifa und Meek Mill auf dem XXL Freshman Cover sehen. Seinen ersten Durchbruch erreichte er im Jahr 2014 mit dem Projekt »Piñata« in Kollaboration mit der Producerlegende Madlib. 2020 konnte Gibbs dann sogar mit seinem – bis dahin – Magnum Opus »Alfredo«, das komplett von The Alchemist produziert wurde, eine Grammynominierung einfahren. Nun erschien am Freitag sein fünftes Soloalbum »$oul $old $eparately«. Dieses stellt Freddies erstes Album dar, welches über ein Majorlabel erschienen ist. Aus diesem Grund sind die Erwartungen an die Platte entsprechend hoch gewesen.

Über die 46 Minuten Spielzeit zeigt Freddie Gibbs, wie sehr er Rap als Handwerk beherrscht und signalisiert absolute Dominanz über die Rapszene. Inhaltlich treffen authentische Street Tales auf Selbstironie und melancholische Rückblicke auf Karriere und Lebensweg. Anders als noch auf »Piñata« oder »Alfredo« sind auf »$$$« nicht alle Beats rein organisch, sondern weisen auch Synthiesounds und digitale Drums auf. Insgesamt sind die Songs soundtechnisch recht breit gefächert, was nicht weiter verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass hier nicht nur ein Producer am Werk war, wie es bei den letzten Projekten von Freddie Gibbs sonst der Fall gewesen ist. Auf »$$$« haben stolze 25 Personen an den Instrumentals mitgewirkt. Unter anderem haben KAYTRANADA, Boi-1da, James Blake und die bereits bekannten Sparringpartner Madlib und The Alchemist Beats beigesteuert. Eben diese Diversität spielt Freddie in die Karten, denn hier kann er zeigen, wie wandlungsfähig er als MC ist, besonders was seine Flows betrifft.

Auch die Gästeliste der Platte strotzt nur so vor Hochkarätern und unterstreicht einmal wieder, wie breit das neue Album aufgestellt ist. So geben sich hier Namen wie Coke Rap-Kompagnon Pusha T, Wu-Tang Member und ebenfalls Coke Rap-Pionier Raekwon, R&B Legende Musiq Soulchild und Ex-Migos Offset die Klinke in die Hand. Insgesamt finden sich zehn Gäste auf der Platte

Ein Highlight der Platte ist definitiv der Dirty South-Banger »PYS«, auf dem Freddie eine extrem starke Performance liefert. Darüber hinaus samplet Three 6 Mafia Member DJ Paul seinen eigenen Klassiker »Pimpin & Robbin« und steuert selbst einen Part bei. Des Weiteren bleibt »Lobster Omelette« mit Rick Ross auf Anhieb im Ohr. Auf diesem Song lassen die beiden ihren Werdegang und ihre jetzigen – sehr komfortablen – Lebensumstände Revue passieren und erzeugen dabei eine melancholische aber gleichzeitig entspannte Atmosphäre. Auf dem letzten Song der Platte, »CIA«, welcher ebenfalls ein Glanzpunkt der Platte ist, beschreibt Freddie Gibbs den Schaffensprozess des Albums und den derzeitigen Stand in seiner Karriere über ein wunderbares, fast hypnotisches Bläser-Sample. 

I did this album off pages ripped out my diary. Confessions and hard lessons, killers confide in me

Freddie Gibbs – CIA

Abschließend lässt sich sagen, dass Freddie Gibbs mit »$oul $old $eperatly« definitiv einen Anwärter auf das Album des Jahres auf den Markt gebracht hat. Nicht ein Song weicht vom hohen Standard der Platte ab, obwohl hier auch das ein oder andere kleinere Experiment gewagt wurde. Auch schafft er es trotz der Vielzahl der involvierten Produzenten einen roten Faden aufrecht zu erhalten und das Album sehr zusammenhängend zu gestalten. Damit wurden alle Erwartungen an das Album erfüllt. Bleibt zu hoffen, dass Freddie Gibbs mit seinem vielleicht besten Album bis dato endlich denselben kommerziellen Erfolg erreichen kann wie seine einstigen XXL Freshman Kollegen – dieser ist ihm nämlich trotz allen Respekts in der Szene nie zuteilgeworden.