Soundcheck: Soundcheck: agajon - nag champa
Cover via Kabul Fire

agajon – nag champa // Review

Mit gerade mal 21 Jahren konnte sich agajon bereits einen Namen in der Producerszene aufbauen. So ist er für die Instrumentals einiger Songs von Shindy, LAYLA, Cro oder BRKN verantwortlich und hatte bereits im Jahr 2019 einen Auftritt bei ARTE Tracks. Doch auch auf internationaler Bühne konnte der Hamburger bereits einige Schritte gehen und mit Artists wie Giggs oder Lou Phelps – dem Bruder von Kaytranada – zusammenarbeiten.

Vor knapp drei Jahren erschien das erste Solo-Release von agajon, die »7 Days«-EP. Auf dieser waren Namen wie Serious Klein und Y’akato vertreten. Nun erschien am Freitag mit »nag champa« das Debütalbum des Produzententalentes. Released wurde es über Kabul Fire – dem Label des Hamburger Beatveteranen Farhot.

Namensgeber der Platte ist eine aus Indien stammende, nach Sandelholz und Magnolie riechende, Duftnote für Räucherstäbchen. Soundtechnisch laden die 15 Anspielstationen dazu ein, ein ebensolches anzuzünden und sich zurückzulehnen. So sind alle Produktionen, so verschieden sie zum Teil auch wirken mögen, wie aus einem Guss und scheinen alle miteinander zusammen zu hängen. Deutlich hörbar ist die Liebe zum Detail in jedem einzelnen Instrumental, welche größtenteils an Westcoast Neo-Soul wie beispielsweise Anderson .Paak angelehnt sind. An anderer Stelle sind dann aber auch wieder Elemente aus dem LoFi Hip-Hop oder Trap enthalten. Dieser abwechslungsreiche Spannungsbogen bietet natürlich einige Highlights:

Auf »all oft that« ist die Münsteranerin LAYLA erstmals auch auf Englisch zu hören und liefert unsagbar smoothen Gesang über ein Neo-Souliges Instrumental. Der Song »higher« sticht durch ratternde Trap-HiHats und mit Autotune veredelten Vocals von Jay Prince, zwischen dem sonst eher klassisch gehaltenen Soundbild hervor. »soldier« – einer der vier Solosongs von agajon – versetzt einen mit den Vocoder Passagen sofort in die 80er Jahre. Diese setzen sich auf »my lady« fort und sind dadurch bezeichnend dafür, dass »nag champa« als Gesamtwerk gehört werden sollte, um den Vibe der Platte richtig einfangen zu können. Weitere Gastbeiträge auf der Platte steuern Venna, Ninja Kidsoul, Leonie Barbot, Jordan Hawkins und Natureboy Flako bei.

»nag champa« ist nicht nur ein Album, sondern auch eine geschickt angereihte Playlist, die auf internationale Rotation abzielt und ebendiese auch verdient hat. So meistert es alle Hürden, welche ein Produceralbum mit sich bringt mit Bravour und bietet gleich zweierlei Hörgenuss: Zum einen Easy Listening, als unaufdringliche Hintergrundbeschallung, zum anderen ein tiefes Eintauchen in die Produktionen des Hamburgers, in deren Details man sich leicht verlieren kann.