Interview mit EARTHGANG über »GHETTO GODS«, Warum Erfolg niemals an erster Stelle steht und Bootleg Tequila mit Salma Hayek
Foto via Universal Music

EARTHGANG über »GHETTO GODS«, warum Erfolg niemals an erster Stelle steht und Bootleg Tequila

Das Atlanta Hip-Hop Duo EARTHGANG hat nach vielen kurzfristigen Änderungen im März endlich ihr neues Album »GHETTO GODS« veröffentlicht. Mit ihrem neuen Album gelingt es den beiden Mitgliedern Johnny Venus und Doctur Dot – um nur zwei der vielen Alias zu nennen – ein ziemlich genaues Gesellschaftsporträt von Atlanta zu erstellen und was es wirklich bedeutet als Schwarzer Amerikaner in den USA zu leben. Ihre Musik schafft dabei eine gekonnte Balance aus politischem Ernst und Songs, die einfach Spaß machen. Der Sound des Albums ist typisch EARTHGANG und nur ein Teil des Universums, das die beiden Dreamville Künstler mit jedem Album etwas ausweiten. 
Für uns haben sich EARTHGANG kurz vor ihrem Auftritt bei der Tonight Show Starring Jimmy Fallon Backstage via Zoom
Zeit genommen, um genauer über ihr neues Album und die Bedeutung, die ihre Community dabei spielt, zu sprechen.

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Bevor wir tiefer in das Album einsteigen, würden wir gerne über die Visuals für »GHETTO GODS« sprechen. Vor allem die Charaktere in den Videos und auf dem Albumcover sind sehr faszinierend. Da sind z.B. das Mädchen mit der Blume im Haar und die beiden Jungen auf dem Cover. Stehen sie für etwas Bestimmtes?
Doctur Dot: Alle Kinder die auf dem Cover abgebildet sind, sollen die Kraft, die du seit deiner Geburt in dir hast, repräsentieren. Die göttliche Kraft in deinem Inneren. Deshalb sagen wir “Ghetto Gods”. Die meisten Leute denken, wir benutzen dieses Album, um uns als Götter zu bezeichnen, aber was wir eigentlich versuchen zu erklären, ist, dass du das besondere Licht in dir trägst. Wir alle tragen es in uns, egal wo du herkommst. Die Kinder sollen eben genau das repräsentieren – wie früh wir dieses Licht schon in uns tragen und wie Menschen es auch in sich behalten.
Johnny Venus: Eine weitere Überraschung sind die Augen, die man auf dem Album Cover im Hintergrund der Kinder sieht. Diese stehen für die Community. Denn aus der Community ziehen wir uns unsere Energie. Jemand, bei dem du siehst, dass er oder sie ihr Bestes gibt oder es zumindest versucht, das inspiriert dich. Es stärkt und berührt dich, jetzt besitzt auch du das Gold (bezogen auf das Gold in den Augen, Anm. d. Red.). Das haben wir gelernt.

Wir haben die Visuals sehr genossen. Normalerweise sind die Videos zu den Audio Only Tracks immer nur ein Standbild. Aber eure Visualisierungen für diese Audio Clips sind ja ein Loop. Beim ersten Hören von »WATERBOYZ« dachten wir, das wäre bereits das fertige Musikvideo.
DD:
(lacht) sehr cool. 

Von wem kam denn die Idee bzw. wer hat Regie geführt?
JV: Die Visuals sind ein Trailer für eine fünfteilige Serie, die wir bald veröffentlichen werden. Fünf Visualisierungen. Fünf Songs aus dem Album, die wir ausgesucht haben, weil sie die Themen des Albums am besten ansprechen. Regie hat die Resolve Media Group geführt, unter der Leitung von unserem guten Freund Fred Saint Foster, der auch der Creative Director des Albums ist. Dann natürlich noch wir, unser EARTHGANG-Team und unsere Manager. Wir haben alle unsere Köpfe zusammen gesteckt und dabei kam wirklich etwas Großartiges heraus. Wir können es kaum abwarten, dass die Leute es zu sehen bekommen. Es ist etwas wunderschönes.

Es ist also quasi fast ein Cinematic Universe?
JV: Ja, das ist es. Es ist ein eigener Kosmos.
DD: Wir haben schon unsere ganze Karriere lang versucht, unser eigenen kreativen Kosmos zu erschaffen, mit einem Multiversum darin. Ich denke »GHETTO GODS« ist nur eine weitere Welt. Genau wie auch »Mirrorland« ein eigener Ort war, ist »GHETTO GODS« ein ganz neuer anderer Ort. Ein ganz anderes Reiseziel.

Ihr habt ja schon erwähnt, dass die gelben Augen für die Kraft der Community stehen. Das ist auch etwas, das man immer aus eurer Musik heraushören kann, besonders eure Wurzeln in Atlanta. Da Atlanta ja für einen sehr eigenen, bestimmten Style bekannt ist – hat euch das jemals unter Druck gesetzt, diesen Sound zu haben? Sich einem bestimmten Sound anzupassen?
DD: Wir haben ziemliches Glück gehabt, dass unsere Karriere nie darauf gebaut war einen bestimmten Sound haben zu müssen. Unsere Karriere bestand immer daraus, zu experimentieren, neue Dinge auszuprobieren und ein bisschen exzentrisch zu sein. Es war ehrlich gesagt ein Segen, nie einen bestimmten Sound zu haben. Dadurch haben Sounds, die gerade in oder aus dem Trend sind, nie einen Effekt auf uns gehabt. 

Das Album ist insgesamt ja in unterschiedliche Passagen aufgeteilt. Wir sind vor allem neugierig über die Rolle von Frauen, besonders Schwarzen Frauen, die in der mittleren Passage durch das Album führen. Es fängt an mit dem »JEANS INTERLUDE« und endet dann mit »NEEZY’S WALK«. Wie wichtig war es euch, Frauen eine Plattform zu geben?
JV:
Das war wirklich das Allerwichtigste. Einfach, weil wir wissen, wie unterrepräsentiert Frauen im Rap und Hip-Hop sind. Es ist einfach genau der gleiche Kram, den wir auch in Atlanta fühlen. Atlanta dreht gerade richtig durch in der Hip-Hop Szene, sogar schon die letzten 20-25 Jahre. Es gibt einfach so viel Diversität und Perspektiven, die nur durch Erfahrungen entstanden sind. Von daher wollten wir für die Geschichten, die wir erzählen, eine Einleitung von Frauen. Gerade auch um deren Energie, Wahrheit und Authentizität gerecht zu werden. Besonders bei Jean. Jean ist Teil unserer Familie, ich kenne sie schon mein ganzes Leben. Sie ist auch einfach verwandt mit ihm (nickt Doctur Dot zu), was verrückt ist, weil wir schon in der High School waren, als beide herausgefunden haben, dass sie verwandt sind. Sie sind Cousins, weißt du? Das ist unsere Familie, von daher sind wir glücklich, sie auf dem Album zu haben. Außerdem an dieser Stelle ein Shout Out für Lynae und alles was sie macht, sie klärt so viele Leute durch ihren TikTok und Instagram Account auf. Sie sind einfach genauso legitime Geschichtenerzähler, wie wir auch, von daher lass uns beides kombinieren und zusammen haben wir die richtige Perspektive.

Speziell zu Lynae Vanee: Besonders die letzten Zeilen von »NEEZY’S WALK« gehen uns nicht mehr aus dem Kopf, wo sie sagt: “The colonization was always in the framing of the three little pigs / but they made the wolf dangerous and weaponized the wind.” Könnt ihr uns mehr dazu sagen?
JV: Da müsst ihr sie fragen.. ich schwöre..
DD: Ich muss ganz ehrlich sein, ich hab über diese Zeile so oft nachgedacht! Ich wach mitten in der Nacht auf und muss darüber nachdenken.
JV: Ihr müsst sie dazu interviewen, jetzt im Ernst.
DD: Ich hätte so gerne eine beeindruckende Antwort, aber ich hab das Gefühl, was immer ich auch sage, würde ihr nicht gerecht werden. Es wäre nicht fair von mir. 

Wir sind aber auch neugierig wegen der Reihenfolge, habt ihr »BLACK PEARL« schon vor dem Interlude von Lynae fertig gehabt?
DD:
Die Musik war schon vor allen Interludes und Skits fertig. Wir hatten den Song schon ziemlich früh im Albumprozess fertig, vor allem wenn man alle Änderungen bedenkt, die wir zuletzt noch gemacht haben. Aber ja, »BLACK PEARL« war schon lange davor fertig. Normalerweise kommen wir nochmal auf einen Song zurück oder überdenken nochmal das Konzept, um dann den Skit darum zu basteln. Das macht es ein wenig einfacher. Aber die Musik fertig zu haben und auch die Bedeutung dahinter, das ist es was die Leute wirklich wollen.

Das war dann wahrscheinlich genauso bei dem »ZAZA Skit« und »SMOKE SUM«
Beide:
Yeah Yeah!
DD: Bei all denen, Ja. Es war allerdings witzig, als DC Young Fly zu uns in Studio kam und wir ihm die Rohversion vom Album vorgespielt haben. Wir haben nur zusammen rumgehangen und er hat einen Witz nach dem anderen gemacht, während wir die Musik abgespielt haben. Er hat uns eigentlich viel mehr Material als das geliefert. 

Wir müssen auf jeden Fall auch über »AMERICAN HORROR STORY« reden. Der Song steht quasi dem American Dream gegenüber, das war auf jeden Fall unsere erste Assoziation. Gerade als Außenstehender ist der amerikanische Traum immer noch das, was man mit den USA verbindet, auch wenn die Realität ganz anders aussieht. Könntet ihr uns dazu noch mehr verraten?
JV:
Der Song kam 2020 während der Proteste und den Ausschreitungen zustande. Während all diese Dinge in unserer Community und unserem Land passiert sind –eigentlich sogar weltweit, weißt du? Sehr viele Menschen haben einfach gezeigt, dass sie die Schnauze voll haben von unserem kapitalistischen System. Wir haben genug davon, wie unsere Regierung uns behandelt und vor allem auch, dass es kein vernünftiges System für uns während solcher verrückten Zeiten gibt. Warum müssen wir uns immer noch mit Rassismus auseinandersetzen, wenn es eine globale Pandemie gibt, die die gesamte Menschheit bedroht, weißt du was ich meine?
DD: (unterbricht) Wir haben einen gemeinsamen Feind und wir entscheiden uns trotzdem uns gegenseitig anzufeinden, das ist einfach nur lächerlich!
JV: Es ist verrückt! Der Song entstand genau nach den Morden an Ahmaud Arbery, Rayshard Brooks
DD: ..George Floyd..
JV: George Floyd!
DD: Das alles passierte direkt hintereinander. Rayshard Brooks ist tatsächlich nur 10 Minuten von dem Ort umgebracht worden, wo wir den Song aufgenommen haben. 
JV: Die Tatsache, dass wir in einer Realität leben, wo das alles passiert – es gibt einfach Zeiten, wo Musik dein einziges Ventil ist. Daraus ist der Song geboren worden.

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Besonders die eine Zeile, wo ihr darüber sprecht, den “generational curse” zu überwinden, ist etwas, das sich durch die Musik von vielen Schwarzen Künstlern zieht. Wir haben gerade erst ein Interview mit Kojey Radical, einem Künstler aus London, geführt, der genau das auch in seinem Song erwähnt. Obwohl es in den Nachrichten ja gerne mal so dargestellt wird, als ob Rassismus ein US-Problem ist. Könnt ihr sagen, was es für euch bedeutet den “generational curse” zu überwinden?
DD:
Du musst dir das so vorstellen: Aus meiner Perspektive sind wir durch und durch Schwarze Amerikaner. Wir haben keine direkte Verbindung zu unseren Wurzeln. Unsere Eltern und Großeltern sind direkte Nachfahren der Sklaverei. Von daher ist da sehr sehr viel Trauma, das von Generation zu Generation weitergegeben wird und auch weiterhin weitergegeben wird. Aus diesem Trauma heraus entstehen furchtbare Entscheidungsfindungen und noch schlimmere Entscheidungen, die sehr kurzlebig sind. Für uns ist es wichtig, diesen Fluch zu brechen. Wir sind nicht nur frei, sondern auch genug Generationen entfernt, um die Wucht des Traumas zu verlangsamen. Es liegt an uns die Gewalt zu verlangsamen und das Verhältnis zu verändern. Es liegt an unseren Nachfahren, die nächste Generation weiter anzuregen. 
JV: Aber auch nicht mehr in diesem Überlebensmodus zu leben. Einfach jeder, der vor uns auf dieser Seite des Atlantischen Ozeans da war, hat immer in einer Form von Überlebensmodus gelebt und sich dabei abgekämpft. Wir befinden uns in einer Position, wo wir auf deren Arbeit aufbauen können. Es ist natürlich auch eine Herausforderung, wie sich die Dinge global formieren: Die Wohlstandsschere geht immer weiter auseinander, nicht nur in Amerika, sondern weltweit. Das sind viele Probleme, auf die wir gefasst sein müssen. Das ist genau der Kram, über den wir täglich reden, ehrlich. 

»Grandaddy’s grandaddy was poor /
first N*gga in my family with dough-oh-oh (Oh) /
I raise everybody up from the floor-oh-oh (Floor) /
flippin’ the generational curse, Coco«

EARTHGANG, »SMOKE SUM«

Was uns thematisch auch direkt zu eurem Song »POWER« führt. Es ist nicht nur ein großartiger Song – für uns eine der größten Überraschungen vom Album – ihr habt aber auch dieses krasse Cee-Lo Green Feature und Nick Cannon, der im Spoken Word-Stil zum Ende hin ein paar Weisheiten teilt. Wie kam das zustande? 
DD:
»POWER« fing an mit unserem Produzenten Dish, der auch »STRONG FRIENDS« produziert hat. Wir haben Cee-Lo in einer Session eine Rohfassung von unserem Album vorgespielt, er tauchte einfach auf und meinte: “Das ist der Song, auf dem ich drauf sein möchte.” Wir dachten, er möchte bestimmt auf einen ruhigeren Song, etwas leichteres, aber er war einfach so: “Nah, I wanna do this!” Wir meinten dann Okay, aber dafür musst du uns auch einen richtigen Vers liefern, einen “real ass verse.” Wir konnten uns einfach gar nicht daran erinnern, wann Cee-Lo zuletzt wirklich ernst auf etwas gespittet hat. Aber er hat es getan und es ist richtig gut geworden. Nick Cannon hat seine Vocals abgegeben und wir wollten sie eigentlich für etwas anderes verwenden, aber irgendwie endeten sie so, dass es einfach perfekt für diesen Track war. Alles kam einfach wirklich gut zusammen. Der Song ist einfach sehr kraftvoll.
JV: Ja, und außerdem spricht es genau das an, worüber wir auch schon gesprochen haben: Aus unserer Perspektive, als Schwarze Männer – aber auch von Männern im Allgemeinen – wird erwartet, dass sie die Brotverdiener sind, die klassischen Versorger halt. Oftmals befinden wir uns in einer Position, in der es unsere Männlichkeit bedroht, wenn wir dazu nicht in der Lage sind. Für solche Dinge zu kämpfen, fordert auch unserer Männlichkeit heraus, da wir das Gefühl haben, dafür unsere Kunst beeinträchtigen zu müssen. Wir setzen unsere Integrität und das was uns ausmacht aufs Spiel.
DD: (unterbricht) Und das wiederum schwächt unsere gesamte Familie und unsere Community. Ich sag immer gerne, dass die erste Zeile vom Song: “N*gga be pressed to claim a street with a white man name” ein Zeugnis für den Wert ist, dem wir unser Leben in der Hood zuschreiben. Wir schreiben unseren Vierteln, wo wir leben, wie wir aufwachsen, so viel Wert zu, weil wir keine Verbindung zu unseren, wie schon gesagt, eigentlichen Wurzeln haben. Wir versuchen diese künstlichen Verbindungen zu Straßen aufzubauen, die die Kolonisten zusammengestellt haben. Wir versuchen daraus etwas eigenes zu machen. 

Ihr sprecht viel darüber, über den Druck der Versorger zu sein. Es geht also nicht nur darum berühmt zu sein, sondern vor allem, sich um die Menschen in eurem Umfeld zu kümmern? Wie geht ihr mit dem Druck um?
DD: Also für mich ist es so: Ich hab mich noch nie berühmt gefühlt und ich bezweifle, dass ich das jemals tun werden. Ich fokussiere mich einfach immer darauf, wie es den Menschen um mich rum geht, die echten Leute in meinem Leben, die nicht berühmt sind. Es gibt genug Menschen in meinem Leben, die nie berühmt sein werden. Ich kann mich selber einfach nicht berühmt fühlen, weil ich gar nicht weiß, wie das geht. Wenn wir über den Druck sprechen, sich um andere sorgen zu müssen, steht das an erster Stelle. Die Menschen, die mir nahe stehen, sind einfach vorrangig. Weißt du, wie ich das meine? Meine Musik und meine Liebe. Berühmt sein ist das Letzte über das ich nachdenke. Bekannt zu sein oder angeguckt zu werden ist einfach so weit entfernt von meinen Gedanken. Es ist einfach nur Teil des Jobs. 

Ein anderes Thema, das sich auf eurem Album wiederholt, ist Drogenkonsum als ein Art Bewältigungsmechanismus. Darum geht es auf »SMOKE SUM« aber auch in einer Zeile von »ALL EYEZ ON ME«: “My cousin poppin’ pills ’til the pain gone.” Drogen werden immer noch verteufelt und es geht weniger darum, dass sie auf der anderen Seite auch auch medizinisch und im richtigen Umgang gebraucht werden. Könnt ihr uns mehr dazu erzählen?
DD:
Wie ist denn die Opioid-Situation in Deutschland? Gibt es viele Opioide oder ist das ein amerikanisches Problem?

Es ist hier auf jeden Fall auch ein Problem, das gleichermaßen auch hier einfach viel ignoriert wird. Es ist nicht die gleiche Situation wie jetzt in West Virginia oder ähnlichen Orten, wo es riesig ist, aber gewisse Parallelen lassen sich durchaus ziehen.
JV: Ja ich glaube ihr Leute habt eine andere Herangehensweise in dem Sinne, dass ihr versucht eine Lösung zu finden. Hier bei uns war das erste Mal, dass Amerika Drogensüchtige als Opfer gesehen hat, während der Opioid-Krise. Einfach, weil auch weiße Kinder betroffen waren.
DD: Davor war es ein Krieg: “The war on drugs”. 
JV: Ja es war ein Krieg, es gab keine Beratungsbüros oder den Versuch den Menschen, das zu geben was sie brauchen. Es gab keine Therapie, es war einfach ein Krieg. Ich denke, so behandelt Amerika Menschen, die nicht aussehen wie der typisch-weiße Mann oder die typisch-weiße Frau. Drogen werden immer existieren, die meisten dieser Drogen werden aus natürlichen Pflanzen und natürlichen Dingen hergestellt. Die tiefere Bedeutung, die dahinter steckt – herauszufinden, warum Menschen Drogen nehmen – ist der Schlüssel dazu, mit diesen Dingen zu leben. Wir sagen immer: Es gibt bestimmt irgendwo einen Elefanten, der genau weiß, welche Pflanze ihn high macht (zwar kein Elefant, aber dafür Delfine). Ich bin mir einfach sicher, dass es etwas ganz natürliches ist. Aber sobald es ums Geld geht und Rassismus involviert ist, verkompliziert sich alles. 

Ich denke in Deutschland sind wir auch erst auf halbem Wege da, vor allem weil es eben so viel mit Rassismus zu tun hat. Es gibt einen großen Unterschied, ob einer von uns beiden (beide weiß und blond, Anm. d. Red.) oder eine Person of Color mit Drogen erwischt wird. Wir beide hätten einfach nur Spaß, eine Person of Color wird mit großer Wahrscheinlichkeit beschuldigt die Drogen zu verkaufen oder schlimmeres. Wenn man es also so betrachtet, haben wir noch einen weiten Weg vor uns. Drogen wurden hier zum Beispiel noch nicht entkriminalisiert.
JV: So sagt ihr das zwar, aber es ist in Wirklichkeit einfach verrückt, dass all diese Marihuana Firmen so viel Geld damit machen und immer noch Menschen deshalb hinter Gitter sind. Ich hasse es das so zu sagen, aber es ist einfach so eine beschämende Zeit, in der wir leben. Wenn ich in Zukunft mit meinen Kindern oder Enkelkindern darüber reden werde, dann werden sie sagen: “Krass, das ist wirklich so passiert?” Und ich muss dann zugeben: Ja, es ist einfach eine Schande. Vor allem, weil du beim Rauchen von Gras nur versuchst, die Zeit ein bisschen zu verändern, ihr ein wenig zu entkommen. 

Das ist auch etwas, das ihr auf »SMOKE SUM« erwähnt: »My N*gga still in lock up / My Wiggas run the market / go figure, who’d have thought it?«
DD:
Auf jeden Fall diese Zeile. Meine Brüder sind eingebuchtet und ich kenne einige weiße Leute, mit denen ich cool bin, mit denen ich befreundet bin, die eine Menge Geld durch Gras verdienen. Trotzdem denke ich mir dann: Dang! Ich fühle euch, aber zur gleichen Zeit ist es einfach zu viel. Über Jahre hinweg haben meine Homies wegen Gras eine Strafanzeige nach der anderen kassiert. Wenn du dann noch eine Waffe bei dir hast, hast du keine Chance mehr. Wir lassen die Waffen sogar weg und keiner von ihnen war Dealer! Trotzdem handeln sie sich eine Strafanzeige ein. Es ist also verrückt mit anzusehen. Es ist eine der beschämendsten Seiten des Lebens. Wir sprechen hier von Eltern, die bei sich zuhause sein sollten. Aber die Regierung wird das niemals zulassen und ich denke das hat zwei Gründe. Zum einen, wenn du Gras nicht strafbar machst, was ist dann der eigentliche Grund für die Razzia? Der Grund uns mit einer Schusswaffe zu bedrohen? Zweitens müssten sie dann ehrlich gesagt einen Weg finden, wie sie das meiste daraus ziehen können. Es geht einfach um Gier, sie müssen ihren Anteil bekommen und sicher stellen, dass sie schon vorher den größten Marktanteil besitzen. Von daher.. Ja.. (lange Pause)

Um das Interview auf einer fröhlicheren Note zu beenden. Ihr seid beide bekanntermaßen große Fans von Filmen, daher wollten wir fragen: Wenn ihr einen Song zu einen Spielfilm machen könntet, welcher Song wäre es und wer würde Regie führen?
DD: basierend auf diesem Album?
Von diesem Album oder einem anderen Projekt..
DD: Ich würde aus »Tequila« (aus EARTHGANG‘s Album »Mirrorland«, 2019, Anm. d. Red.) einen Film machen, bei dem Quentin Tarantino (Kill Bill, Inglorious Basterds) Regie führt. Es würde ein richtiger Tarantino Film sein, bei dem wir beide zusammen mit Salma Hayek mitspielen (lacht). “Tequila, der Film”. Der Film handelt dann davon, wie wir die ersten sind, die Bootleg Tequila in Mexico herstellen, oder so ähnlich.
JV: Ich würde wahrscheinlich selber Regie führen wollen.
DD: Aber bei welchem Song?
JV: Welcher Song? Welcher Song? (grübelt) Ich würde erstmal als Regisseur Ryan Coogler (Black Panther, Creed) ins Boot holen.
DD: War mir schon klar, dass du an Coogler denkst, aber für was? Coogler wäre perfekt für »ALL EYEZ ON ME«. All Eyez On Me von Ryan Coogler wäre richtig krank.
JV: (überlegt noch)
DD: Oder Martin Scorsese als Regisseur für »BILLI«, dass wäre auch verrückt (alle lachen)
Oder eine Rom Com aus »LIE TO ME« mit einem Hauch Drama, das wäre doch gut..
JV: von Judd Appatow (Trainwreck, Beim Ersten Mal) (alle lachen)
DD: (lacht laut) Judd Appatow! Mit fucking Seth Rogen oder so (lacht).