Soundcheck: slowthai - UGLY
Cover via Method Records

slowthai stellt auf »UGLY« fest: The most beautiful people do the ugliest things

Tyron Kaymone Frampton, besser bekannt als slowthai (hier im Mostdope-Spotlight), hat am 3.3.2023 sein 3. Studioalbum »UGLY« auf die Welt gebracht. Nach dem eher politischen Debütalbum »Nothing Great About Britain« und dem teils intimeren doch mit populären Featuregästen gespickten »TYRON« hat er nun mit »UGLY« sein wohl authentischstes Album bisher produziert. Der für seinen derben Grime-Sound bekannte britische Rapper überlässt nun vollends seinem punkigem Selbst die Bühne und gibt sich reflektierter denn je. Zusammen mit ihm treten Hörer*innen die Treppenstufen hinab in sein lautes Innerstes.

Soundcheck: slowthai - UGLY
Foto via Universal

Wer die bisherigen Tracks des Briten kennt, wird nicht unbedingt überrascht sein. Mit »Doorman« oder »Deal Wiv It« hat sich bereits das angedeutet, was musikalisch Realität geworden ist. Der Mix aus Post-Punk, Indie-Rock und einer Spur Hip-Hop verabschiedet das, was früher noch Grime war und fügt sich zu einer geräuschvollen Performance zusammen. Diese transportiert das, was der Artist sagen möchte auf eine authentische Weise.
Auf »UGLY« fährt slowthai eine Sound-Linie und zieht diese von Anfang bis Ende durch. Damit wird den Liedern untereinander eine hohe Zusammengehörigkeit bescheinigt und das Album bekommt eine greifbare Farbe. Zur Hilfe eilen Kollegen aus besagtem Rock- und Punk-Kosmos. Ob Fontaines D.C., IDLES oder Jockystrap’s Taylor Skye – die Selektion der Gäste scheint fein gewählt, um gemeinsam eine musikalische Spielwiese zu bereiten, für das was aus Tyron heraus möchte:

Gedanken und Gefühle

Sie treiben den 28-Jährigen durch 38 Minuten Selbstakzeptanz. Um dies zu verstehen, muss man den Albumtitel entziffern. Das Akronym »UGLY« steht für ”U Gotta Love Yourself” und ist sein selbst formuliertes Ziel.
Auf dem ersten Titel »Yum«, der musikalisch einer Dämonenaustreibung gleicht, stellt er fest “I’ve been lacking motivation/I need an intervention”. Er wendet sich nach Außen und gibt ein Gespräch mit seinem Therapeuten wieder. ”Tyron, you’ve just gotta learn to breathe” doch: ”Funny thing is it just pissed me off more/ What am I paying for?”. Hilfe hat er sich anders vorgestellt. Der Track endet damit, dass slowthai Atemübungen ins Mikrofon macht und immer aggressiver wird, bis er schließlich schreit. Ein guter Opener für das Projekt »UGLY«, da nun klar wird, dass sein Ventil nicht das Atmen sondern die nun folgende Musik ist.

Eine Menge Luft lässt er in »Selfish« raus. Er formuliert Gedanken aus, die er über
Egoismus hat. Mal auf sich bezogen, mal auf die übrige Welt. ”Thinking for myself/
Thinking, I’m just thinking for myself”
. Man hört, wo er anfängt zu ergründen: bei sich.
Die wilde Reise treibt den gebürtigen Northamptoner weiter durch Misstrauen und
Selbstzweifel verpackt in Ironie und einer Scheißegal-Haltung, wie auf »Sooner« zu hören ist. Je weiter man hört, desto mehr Reue und Emotionen machen sich breit. ”The things I should’ve said, I wish I did” rappt er auf »Never Again« und lässt mit einem persönlichen Thema tief blicken. Dies ist die erste musikalische Verschnaufpause: melancholische Klavier-Chords, getragen von sanften aber schnellen Jungle-Drums.
Nach »Fuck It Puppet«, dem sehr kurzen Abstecher, der nach dem alten slowthai klingt, und einer Auseinandersetzung mit seinem inneren Drogen-Ich, landen wir bei »HAPPY« und hören diese Zeile: ”It’s okay to cry, okay to cry”.

Er erlaubt sich, auf »HAPPY« das Gegenteil zu sein und singt zusammen mit Jacob
Bugden
, der mit Beabadoobee zusammenarbeitet: ”I would give everything for a
smile”
. Ein großer Schritt in Richtung Selbstakzeptanz. Passend zur depressiven
Stimmung wird das Lied von einem Nirvana-esken Gitarrenriff getragen, eine
Inspirationsquelle für Rapper, die wohl nie versiegt.
Dramaturgisch finden wir uns mit »Falling«, nach viel Reflexion, in einem Stadium der Orientierungslosigkeit wieder. ”You ever feel like falling? You ever feel like you’re drifting through space?” singt der Brite voller Emotionen mantraartig über ein flächiges Soundbett.
Man merkt, dass die wachsende Akzeptanz seiner Selbst etwas in ihm freisetzt. Auf dem vorletzten Song »Tourniquet« kommt nochmal viel Schmerz zusammen. Klavier und Gitarre öffnen eine Szene, in welcher slowthai sich traut höchst emotional sein Leid ins Mikrofon zu schreien. ”Break, break, break my bones/ Shattered my hopes and dreams”. Der Ausnahmekünstler zeigt seine verletzliche Seite mehr denn je. Der Blick in seinen Kopf hilft dabei ihn zu verstehen. Wut, Schmerz, Depression aber auch Veränderung, Heilung und Wachstum haben darin Platz. Er schließt das Album mit ”We both had to break like porcelain plates/ But I got some glue so we can rebuild” auf dem finalen Track »25% Club«. Ein positives Fazit.

Was folgt?

»UGLY« ist ehrlich, intensiv und authentisch. Es macht neugierig drauf, welcher Tyron Kaymone Frampton am anderen Ende des Albums rauskommt. Egal was
folgt, es wird ugly. Denn wie er selbst sagte: ”The most beautiful people do the ugliest things”.

Tracklist: slowthai – UGLY

1. Yum
2. Selfish
3. Sooner
4. Feel Good
5. Never Again
6. Fuck It Puppet
7. HAPPY
8. UGLY
9. Falling
10. Wotz Funny
11. Tourniquet
12. 25% Club