Apsilon – 32 Zähne EP // Review

Seit dem letzten Jahr gilt Apsilon als echter Geheimtipp und Signalgeber einer neuen Generation an Rappern, die ihr politisches Bewusstsein wiederentdeckt hat. So bringt der 24-Jährige Moabiter bereits alles mit, was man als erfolgreicher Musiker mitbringen muss: Eine unverkennbare Stimme, eine innovative Beatauswahl und ein Zahnpastalächeln. Passend dazu ist am Freitag die »32 Zähne«-EP erschienen, von der man in den vergangenen Monaten bereits einige Songs als Single hören konnte.

Über die 15 Minuten Spielzeit singt und rappt Apsilon über eine Varietät an Beats und arbeitet sich thematisch an Heimat, Rassismus und eigenem Antrieb ab. Auf dem Opener und Titeltrack »32 Zähne« beschäftigt er sich über einen packenden, distortionlastigen Beat mit seiner eigenen politischen Sozialisation und den daraus resultierenden Lebensumständen. So heisst es auf dem Song:

Mama sagte: “Arda, du kämpfst gegen ein’ Tsunami an/ Mach so weiter, du stirbst auf ner Demo bei ‘nem Straßenkampf”

Apsilon – 32 Zähne

Der zweite Song »Problem« ist ein echter Banger und kann als Durchhaltehymne gegen Rassismus gelesen werden. Darauf folgt »Lauf weg«, welcher durch ein Interlude eingeleitet wird. In diesem ist zu hören wie ein junger Mann von einer Erfahrung mit einem rassistischen Polizisten und seiner Reaktion darauf erzählt. Der Song selbst befasst sich mit ebenjenem Thema von strukturellem Rassismus und der Polizei. Die fünfte Anspielstation »Druck« ist das Highlight der EP. Hier beschreibt er eindrücklich seinen Antrieb und rappt:

Oma verließ Heimat für die Arbeit auf dem Fließband / Heute fließt die Stimme von ihr’m Enkel durch das Stimmband / Erwartungen an Kinder geben Erwartungen an Kinder weiter / Stolz und Druck vermischt, pass auf, dass du nicht dran zerbrichst, aber hält mich immer fit

Apsilon – Druck

Darauf folgt mit »Bisschen Liebe, Bisschen Hass« – kurz »BLBH« – ein sehr atmosphärischer Song und obendrauf ein Gastpart von Wa22ermann aus Berlin-Kreuzberg. Der letzte Song der »32 Zähne«-EP ist »Zahnfleisch«. Auf diesem beinahe clubbig anmutenden Song rappen Apsilon und sein Featuregast XAVER über die Hektik ihres Lebens.

Die Produktionen auf der EP stammen von vielen verschiedenen Produzenten wie beispielsweise Apsilons Bruder Arman, Kabul Fire-Gründer Farhot und Bawer, der sonst vor allem für seine Arbeit mit Kalim bekannt ist. Nichtsdestotrotz zieht sich ein schwer einzuordnender und einzigartiger Sound durch die ganze EP. Hier verschwimmen Einflüsse von House, Trap, Grime und anderen Genres ineinander zu einem stimmigen Gesamtbild.

Insgesamt ist »32 Zähne« ein gelungenes Werk und macht Hunger auf ein Debütalbum von Apsilon. Seine unverkennbare Stimme und sein Einsatz ebendieser, gepaart mit den schwer zuzuordnenden aber dennoch eingängigen Beats machen die Platte zu einem echten Unikat. Gleichzeitig schafft es Apsilon Sozialkritik und politische Inhalte in eingängige Sounds zu verpacken. Ein Künstler, den man auf jeden Fall im Auge behalten sollte.