Soundcheck: Ahzumjot - WEIL DU ES LIEBST
Cover via Ahzumjot; Artwork by 27 Bucks

Ahzumjot – Weil du es liebst // REVIEW

Der Hamburger Ahzumjot ist mittlerweile mehr als zehn Jahre im Game und damit schon fast ein Urgestein. In dieser Zeit zeigte er unglaublichen Arbeitsethos und hat insgesamt 15 Releases auf den Markt gebracht. Eben dieses Arbeitsethos scheint er bis heute nicht verloren zu haben, denn nicht einmal ein Jahr nach seinem letzten Album »3:00« – das die Top 10 der Albumcharts erklimmen konnte – beschert Ahzumjot seinen Fans neue Musik: Am Freitag erschien das Mixtape »WEIL DU ES LIEBST« – oder inoffiziell »22QT02«. Das Tape schließt sich an bisherige Releases an und setzt den Run von Ahzumjot fort.

Denn das Mixtape startet, wie das letzte Album geendet ist. So beginnt Ahzumjot den ersten Part des Openers »ICH BIN GOAT« mit den Worten „Lass uns schein’n, lass mich schein’n“ und spielt damit auf den letzten Song von »3:00« an. Auf »ICH BIN GOAT« reflektiert Ahzumjot mit einer zum Titel passenden Arroganz seinen momentanen Stand in der Szene. Dies passiert auf einfachen Pianoakkorden und vergleichsweise zurückhaltende Trap Drums, welche viel Platz für die schnell gerappten Lyrics lassen.

Auf dem darauffolgenden Song tut sich Ahzumjot mit dem Kölner Lugatti zusammen und bricht »ANKLES«. Die beiden überbieten sich auf einem atmosphärischem Trap-Beat gegenseitig mit Basketball Referenzen. Eben diese ziehen sich als Motiv durch das gesamte Album.

So nennt sich der nächste Song »KOBES SECHSTER RING«. Dieser ist definitiv der längste und härteste Song des Projektes. Sowohl die switchenden Beats als auch Lyrics gehen straight nach vorne und die beiden Gäste FELLY und Gianni Suave ergänzen Ahzumjot extrem gut.

Für den Titelsong »WEIL DU ES LIEBST« hat sich Ahzumjot ebenfalls zwei Gäste Rangeholt: COBEE und Apsilon. Insbesondere der Part von Zweiterem – mit seiner tiefen und klaren Stimme – sorgt auf der ansonsten sehr autotunegeschwängerten Ballade für echte Gänsehaut.

»VERLIEREN MIT MIR« kommt sehr elektroid daher und hat fast schon clubbigen Charakter, ohne dabei jedoch zu gewollt zu wirken.  Des Weiteren findet sich einer der stärksten Rap-Parts auf eben diesem Song – trotz des tanzbaren Sounds.

Darauf folgt mit »HEARTBREAKS VS HEARTBREAKS« quasi ein gesungener Dialog zwischen ihm und BABYJOY, in welchen sie sich in die Rollen eines Pärchens in einer recht toxischen Beziehung begeben. Besonders Ahzumjot reflektiert sich hier selber und arbeitet seine Traumata auf.

Nach dieser eher ruhigen Phase des Projektes folgt nun mit »HOLD UP SLOW DOWN« wieder ein Banger. Mit schnellen Flows und ratternden Hi-Hats dreht Ahzumjot auf dem Song eher auf als wie im Songtitel angekündigt.

»AM BAHNHOF« ist der am schwersten zugängliche Song auf „WEIL DU ES LIEBST“. Mit exzessivem Vokoder Einsatz besingt Ahzumjot seine Vergangenheit, bis schließlich extrem distortede Drums und Bässe einsetzen.

Der letzte Song ist eine herzergreifende Ode an die Heimat von Ahzumjot – Hamburg. So rappt er:

Wenn man wohnt, wo man herkommt, ist viel den Blick nicht wert. Heut’ zeig’ ich mei’m Sohn die Alster, als wär’s das verfickte Meer

Dabei wird er unterstützt von den beiden Engelsstimmen Wanja Vaneva und BRKN.

Alle Produktionen auf »WEIL DU ES LIEBST« stammen von Ahzumjot selbst. Lediglich bei zweien der neun Songs haben noch andere Producer am Sound mitgewirkt, diese sind LEV, Young Kira und Thani

Insgesamt ist »WEIL DU ES LIEBST« ein starkes Release von einem vielfältigen Künstler. Ahzumjot ist einer der wenigen Rapper, der es schafft zu representen und zu flexen ohne dabei unangenehm oder gar peinlich zu wirken. Zeitgleich schafft er es Emotionen zu zeigen ohne gleich in vollkommenden Kitsch abzurutschen. Diese Mischung macht natürlich Hunger auf weitere Releases – bei der bisherigen Releasefrequenz muss man sich dabei aber wohl keine Sorgen machen.