Soundcheck: IDK & KAYTRANADA - Simple
Cover via Clue No Clue LLC/Warner Records

IDK & KAYTRANADA – Simple. // REVIEW

IDK gehört zu einer neuen Generation von Hip-Hop Künstler*innen, die sich nicht an die Regeln der Mainstream-Mehrheit halten, sondern wie auch Denzel Curry oder Vince Staples einfach ungestört ihr eigenes Ding durchziehen und sich dabei nicht beirren lassen. Obwohl IDKs letztes Album »USEE4YOURSELF« erst letzten Sommer erschien legt der Rapper aus Maryland dieses Jahr direkt nach. »Simple.« ist das dritte Studio Album des Künstlers, das diesmal im Ganzen von KAYTRANADA produziert wurde. Der kanadische DJ mit Wurzeln aus Haiti ist bekannt für seinen Produktionsstil, der Old School Hip-Hop à la J Dilla mit House Musik verbindet und so schon aus manchen Hip-Hop Heads einen Elektromusik Fan gemacht hat. 

Das Album geht sowohl musikalisch wie auch thematisch nahtlos ineinander über. Als Intro sowie Outro dient ein Skit der verstorbenen Schauspielerin und Comedian LaWanda Page. Im Introtrack »Drugstore« erfahren wir durch den Anfang des Skits nur, dass es auf eine Reise geht, die Pointe gibt es erst zum Schluss im letzten Track »Paris to Southeast«. Typisch für KAYTRANADA laufen die Songs perfekt ineinander über und so fühlt es sich mehr an wie ein einheitliches Set als unterschiedliche Songs. Auch wenn der Beat uns quasi auf die Reise führt, ist es IDK der die Geschichte erzählt. Es geht um den Kontrast zwischen dem Dealen auf der Straße, härteren Umständen und dem mittlerweile erreichten Erfolg sowie dem damit verbundenen Luxus. »Drugstore« ist dabei genau die richtige Einleitung für diese Stimmung. Unterstützt werden die beiden hier von der Künstlerin Mother Marygold. Gefolgt von einem weiterem Skit geht es mit »Dog Food« dann direkt über in einen der stärksten Tracks, auf dem IDK und Denzel Curry sich die Hand reichen (hier gehts zur Review). 

Kurz durchatmen lässt einen wortwörtlich der Song »Breathe«, der in der Mitte des Albums einen ruhigen Moment verschafft, und damit die perfekte Verbindung zwischen dem Vorgänger »Zaza Tree« und dem sehr dynamischen und beinahe hypnotischen Beat von »Taco« ist. Mit Taco ist hier, wie im Video erklärt, nicht etwa das mexikanische Gericht gemeint sondern die Hülle einer explosiven Waffe. Genau der richtige Titel, denn in typischer KAYTRANADA-Manier bleibt hier kein Fuß still und dennoch geht IDK niemals in den Beats unter. Vielmehr behauptet er sich mit seinen Lyrics und kann über die acht Tracks des Albums sein ganzes Können unter Beweis stellen. Von wortgewandten harten Raplyrics auf »Taco«, melodischem Sprechgesang auf »The Code« hin zu Gesangskünsten im Post-Chorus auf »Dog Food« zeigt IDK, wie vielfältig sein Talent ist und warum man ihn auf keinen Fall unterschätzen sollte. In dem Outrotrack »Paris to Southeast« erfahren wir endlich die Pointe des Witzes: Wir können überall hinfliegen, alles sehen, essen, trinken und in Fülle konsumieren. Wir müssen nur erst lernen, wie man das Flugzeug in die Luft bekommt. 

IDK und KAYTRANADA kommen in diesem Album extrem harmonisch zusammen. Es ist ein perfektes Zusammenspiel aus tanzbaren Electro House-Tracks und alternative Hip-Hop. Trotz der Kürze des ganzen Albums – acht Songs, 18:18 Minuten – ist es zwar ein kurzes, aber dafür sehr facettenreiches Album. Durch die nahtlosen Übergänge ist es auf jeden Fall eines der Alben, das man sich problemlos mehrmals hintereinander anhören kann und es trotzdem noch genauso feiert wie beim ersten Mal.