Soundcheck: Joji - Smithereens
Cover via 88rising Records / Warner Records

JOJI – SMITHEREENS // REVIEW

Der japanische Künstler Joji dürfte vielen vor allem durch seine früheren Comedy-Alter Egos wie Filthy Frank oder Pink Guy bekannt sein. George Miller hat 2017 aber eine 90 Grad-Drehung gemacht und es souverän geschafft, den Wandel vom lebenden Meme zum seriösen Musiker zu vollziehen. Unter dem Künstlernamen Joji bringt er seitdem R&B/Pop Musik heraus, die einfühlsam und zärtlich den Puls der Netflix RomCom Generation trifft. Am Freitag erschien sein neuestes Projekt »SMITHEREENS«.

Die neun Tracks des Albums sind auf zwei Volumes aufgeteilt: Die fünf ersten in Volume 1 und die vier letzten in Volume 2. Insgesamt folgt Joji mit »SMITHEREENS« und 23:42 Minuten dem aktuellen Albumtrend, kurz und allerdings nur so semi knackig zu sein. Das Album wird eröffnet durch den bittersüßen Track »Glimpse of Us«. Der Song beginnt auf einer sehr melancholischen Note, die mehr oder weniger den Ton für das ganze Projekt angibt. Auf »Glimpse of Us« folgt dann »Feeling Like The End«, der zwar etwas mehr Up-Tempo innehat, dafür aber lyrisch weiter von Herzschmerz und gebrochenen Beziehungen singt. Wirklich anders wird es auf den nächsten zwei Tracks nicht: Mal mehr, mal weniger Tempo, aber immer im gleichen Wohlfühl-Lo-Fi Stil bleibt es inhaltlich gleich und es gibt nur wenig Abwechslung. Die ersten vier Lieder sind sowohl thematisch wie auch klanglich sehr ähnlich und verschmelzen irgendwann zu einem Lied, das man zwar gut im Hintergrund hören kann – mehr aber auch nicht. Bei einem so kurzen Album erwartet man als Hörer*in das auch wirklich jedes Lied ein Banger ist – auch Balladen können im Übrigen solche sein – und zum gesamten Hörerlebnis beiträgt. Auf »SMITHEREENS« passiert das während der ersten Hälfte nicht.

Das ändert sich dann mit dem fünften Track »Dissolve«, der sich alleine schon deshalb von den vorherigen Songs absetzt, da hier der Beat von einer Akustikgitarre dominiert wird und auch die Stimme deutlich durch Autotune als Stilmittel beeinflusst wird. Der Refrain ist lyrisch sehr schön, wenn Joji uns fragt: “Who are we? Who have we become? Are we counting sheep until we dissolve?“. Dennoch kommt auch hier spätestens beim zweiten Refrain das Verlangen auf, den Song wieder in den Hintergrund zu verweisen.

Dieses Gefühl endet dann im zweiten Part. Auf Volume 2 werden nicht nur die Songnamen in ALL CAPS geschrieben, sondern sie erzeugen auch ein anderes Gefühl beim Hören. Bei dem Track »NIGHT RIDER« ist jedenfalls der Name Programm. Das kann zum einen am persönlichen Faible für “Songs, die man gut Nachts im Auto hören kann“ liegen, zum anderen passiert hier aber endlich mal wirklich was anderes. Durch die 808s ist der Song insgesamt etwas düsterer als die Break-Up Songs davor. Zwar immer melancholisch aber gleichzeitig mit deutlich weniger Kitsch. Auf »NIGHT RIDER« folgt dann »BLAHBLAHBLAH DEMO«, welcher ab Minute 01:10 richtig interessant wird. Joji spielt hier mit der noch bereits bekannten seichten Gitarrenmusik, die verdreht wird und damit mit dem Vorherigen bricht.

»YUKON INTERLUDE« ist dann wiederum genau das, was bisher gefehlt hat, was auch am Producer Isaac Sleator liegen könnte. Sleater produzierte bereits auf »Nectar« gemeinsam mit Joji die beiden Tracks »Afterthoughts« und »Normal People«. Outro für »SMITHEREENS« ist »1 AM FREESTYLE«, auf dem Joji sein Album beendet mit dem Satz „I don’t want to be alone“. 

Insgesamt ist »Smithereens« ein Album, das wie geschaffen ist für die Generation Netflix RomCom und den perfekten Soundtrack für Teenie Dramen à la He’s all that liefern könnte. Einige Songs tragen stimmlich einen Hauch James Blake in sich oder erinnern entfernt an Justin Bieber zu »Purpose«-Zeiten. Insgesamt ist der Vorgänger »Nectar« allerdings deutlich spannender gewesen. Natürlich kann man jetzt auch einwenden, dass »SMITHEREENS« nur auf neun Lieder beschränkt ist, aber gerade dann müssen diese neun Lieder auch überzeugen. Das gelingt Joji auf diesem Album leider nicht immer. Volume 2 macht deutlich mehr Freude als der erste Teil, dennoch ist »SMITHEREENS« kein Album, das lange im Gedächtnis bleibt. Es ist viel mehr eine gute Alternative zu den üblichen LoFi Girl Playlisten, die sonst gerne zur Entspannung im Hintergrund gehört werden.