Das Album des Monats | Juli 2026

Der Juli zog an uns vorbei und brachte viele Alben mit starken Messages. Doch ein bestimmtes Album kam um Hoffnungen aufrechtzuerhalten, Herzschmerz zu teilen und anzuklagen.

Apsilon – Glanz Null

Apsilon – Glanz Null

Apsilon weiß, wie er migrantischen Arbeiterkindern aus der Seele sprechen muss, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Sein neuestes Album »Glanz Null« trifft den Nagel auf den Kopf.

Im Großen und Ganzen ist es durchdrungen von Erinnerungen an die Kindheit, die später in politische Wut und Selbstzweifel überschwappen. Ebenjene Mischung repräsentiert die Kraft des Albums, um ein Bild von Deutschland zu zeichnen, das zugleich schmerzhaft und hoffnungsvoll ist. Die erste Single des Albums  »Weg hier raus« handelt davon, dass trotz lauter Überforderung und Einsamkeit, es immer einen Lichtblick gibt. Einen Weg da raus. Mit leichter Zuversicht gestartet, behält sich dieser Ton als Ausgangspunkt für die kommenden Geschichten, die sich im weiteren Verlauf entfalten.

Mit »Sommermärchen« folgt schließlich einer der stärksten Songs des Albums. Er verbindet die unbeschwerte kindliche Erinnerung an die Fußball-WM 2006 mit den rassistischen Morden des NSU. Apsilon erzählt eindrucksvoll und menschlich davon, wie damals die kollektive Euphorie und die Angst der migrantischen Menschen nah beieinander lagen. Aus der Nostalgie wird ein politischer Blick auf die Vergangenheit. Dann aber kommt guns blazing »Keiner von Euch«, der komplette Gegenpol zu der Verletzlichkeit. Hier zieht Apsilon eine ganz klare Grenze zwischen seinem Umfeld und die politischen sowie kulturellen Establishments, die migrantische Stimmen erst dann feiern, wenn sie sich angepasst haben. Den Renault fährt er dabei wie ein Royce als klare Ansage: Wir brauchen eure Statussymbole nicht. 

»Glanz Null«; ein Album voller Schmerz, ohne sich darin zu verlieren. Voller Wut, ohne den Blick für die Menschlichkeit aufzugeben. Deshalb auch eine der wichtigsten Veröffentlichungen des Deutschraps in diesem Jahr.