Drake – Honestly, Nevermind // REVIEW

Als Superstar Drake am Freitag das Überraschungsrelease seines siebten Studioalbums bekannt gab, verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. Gebannt warteten Fans auf der ganzen Welt auf neue Rap-Parts des „6 God“. Als das Album dann erschien, ließ der Shitstorm nicht lange auf sich warten. Denn was Drake hier auf den Markt gebracht hat, war keine Rap-Platte sondern ein House-Inspiriertes Dance-Album.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, jedoch lässt sich nicht anzweifeln, dass »Honestly, Nevermind« vor allem eines ist: eingängig. Quasi jeder Song lädt zum Tanzen ein und lässt sich leicht mit Strandfeeling und Schirmchen im Drink assoziieren – und genau das ist das Problem. Den meisten Fans scheint all das zu gewollt zu sein. Die Hoffnungen und Erwartungen an das neue Drake-Album scheinen in eine völlig andere Richtung gegangen zu sein. Dennoch scheinen einige Hörer auch mehr als begeistert zu sein. So vergleicht Der Spiegel »Honestly, Nevermind« gar mit dem Kanye-Meilenstein »808 & Heartbreaks«, der damit Ende der 2000er eine ganz neue Richtung im Rap hervorgebracht hat.

Neben den elektronischen Beach-Sound Einflüssen, finden sich vor allem auf den letzten beiden Songs deutliche Dirty South-Einflüsse. So kann man »Liability« gut und gerne als Chopped&Screwed Nummer bezeichnen. »Jimmy Cooks« – der einzige „echte“ Rap-Song auf »Honestly, Nevermind« – beginnt mit einem Sample aus dem 1999 erschienenen Song »Just Awaken Shaken« des Memphis Rappers Playa Fly. Des Weiteren findet sich hier auch ein Gastpart von 21 Savage, welcher bekanntlich aus Atlanta stammt. Dies könnte ein Vorgeschmack auf den bereits angekündigten dritten Teil seiner “Scary Hours“-EP Reihe sein. In einem Podcast sagte er: „I got another ‘Scary Hours’ pack coming too, in a little bit. Maybe not right now; I need you to just take this in right now. […] I’m gonna slap some head tops off with the ‘Scary Hours’ pack. I love this shit.“

Für Drakes Verhältnisse waren an »Honestly, Nevermind« recht wenige Personen beteiligt. Während bei »Certified Lover Boy« ganze 52 Produzenten und 109 Writer mitgearbeitet haben, sind es bei diesem Projekt lediglich 40 Writer und 22 Producer – unter anderem die deutschen Rampa und CuBeatz, aber auch die Schweden Johannes Klahr und Richard Zastenker, die für ihre Arbeit mit der Swedish House Mafia bekannt sind.

Im Grunde dürfte jedem bewusst sein, dass Drake schon lange kein Rapper mehr ist, sondern viel mehr ein Pop-Artist. Nichtsdestotrotz scheinen die meisten Fans vom Discoartigen four-to-the-floor Sound irritiert – um nicht zu sagen enttäuscht – zu sein. »Honestly, Nevermind« ist dennoch ein lockeres Sommeralbum, welches den perfekten Soundtrack zur derzeitigen Hitzewelle bietet. Dies dürfte aber nur ein schwaches Trostpflaster für alle Rap-Drake Fans sein. Immerhin nimmt der die Kritik an seinem neuen Album eher locker: