Rewind | KW41 (mit Sido, Tom Hengst u.v.m)

Der letzte Freitag hat uns wieder mit jeder Menge neuer Musik versorgt, die auch einige Überraschungen bereithielten. Ob diese eher positiv oder negativ ausgefallen sind, haben wir uns anhand von fünf Songs genauer angeschaut. Alle Tracks und noch mehr neue Musik findet ihr in unserer Release Radar-Playlist auf Spotify. 

Tom Hengst – Snitch

Ja, du gibst dich aus als das, was du nicht bist / Und genau aus diesem Grund vertraue ich dir nicht.

Tom Hengst kennt keinerlei Toleranz gegenüber Snitches und zeigt auf der ersten Single seiner kommenden EP »Gib dein Geld«, dass er zuverlässig wie ein Uhrwerk gelungene Tracks releasen kann.

»Snitch« kommt mit einem absoluten Brecher von einem Beat von 111kusher daher und Tommy bringt es fertig, seinen Stimmeinsatz so zu variieren, dass er sich praktisch selbst featuren könnte. Für die Abwechslung, die der Hamburger bei gleichzeitig hoher Konsistenz liefert, gebührt Tom Hengst definitiv noch mehr Aufmerksamkeit, als der derzeit erhält.

Tom Hengst – Snitch
8

Score

Audio88 & Shogoon – Kofferraum

Nachdem er zusammen mit »Todesliste« Anfang des Jahres einen Achtungserfolg verbuchen konnte, geht es für Audio88 jetzt solo weiter. Auf »Kofferraum« holt sich der Meister der Aufregung den „Rookie of the Year“ auf einen bissigen Track, der Fans beider Camps erfreuen dürfte.

Das eigens von Audio88 produzierte kratzige Instrumental erzeugt effektiv eine bedrückende Atmosphäre ein und auch Shogoon, der oldschooligen Sounds bekanntlich nicht abgeneigt ist, fügt sich sehr gut ein. Und auch wenn Audio am Ende seines Part zurecht auf geringe Erträge von Streamingdiensten hinweist, wirkt der Zeigefinger an dieser Stelle etwas weit erhoben. Der gelungene Gesamteindruck wird dadurch aber kaum getrübt.

Audio88 & Shogoon – Kofferraum
7.5

Score

mokuba – Juckt

Während Deutschrap aus Lörrach derzeit vor allem in Form von Lambrusco die Runde macht, representet mokuba seine Heimatstadt mit einem ganz anderen Sound. Auf dem kurzen aber unterhaltsamen »Juckt« zeigt er sich angesichts seines konsequenten Aufstiegs selbstsicher und setzt das Dreiländer-Eck auf die Karte.

Das hypnotische Instrumental von Young Kira steht mokuba bestens zu Gesicht und liefert den passenden Unterbau für seine abwechslungsreichen Flows, die er lässig fast schon runterleiert, ohne aber je gelangweilt zu klingen.

mokuba – Juckt
7

Score

Neromun – Cortez

Seit seiner Umbenennung beschreitet Neromun sowohl textlich als auch musikalisch neue, kreative Wege. Am Freitag veröffentlichte der Mainzer, der lange als Negroman seine Musik vertrieb, mit »Blass« sein erstes Album unter dem neuen Alias.

Das stimmungsvolle »Cortez« steht dabei repräsentativ für den grundentspannten Vibe, der Neromuns Musik seither auszeichnet. Die ungewöhnliche Hook, die noch am ehesten an eine melodische Version von Playboi Carti erinnert, erzeugt einen einnehmenden Sog, der die Hörer*innen unvermeidlich in Neromuns Welt zieht. Wer sich auf den Sound einlässt, darf auf »Blass« mit einigen Überraschungen rechnen.

Neromun – Cortez
7.5

Score

Vanessa Mai & Sido – Happy End

Bei allem, was Sido für die Szene geleistet hat, ist sein Freifahrtschein für jegliche Ausflüge in den Mainstream durchaus angemessen aber auch nicht immer etwas Gutes. So wirkt sein Feature auf dem neuen Song von Vanessa Mai allenfalls wie ein kalkulierter Move, um mal wieder im Radio und den Charts zu landen.

Zwar bleibt Sido in seinem recht kurzen Part sehr konsequent bei der Film-Metaphorik, doch seine Zeilen können das Phrasengedresche von Vanessa Mai, das mit teils merkwürdig anbiederndem Gen Z-Vokabular gespickt ist, nicht wirklich retten:

Ich will deine Storys skippen ohne dich zu vermissen.

Vanessa Mai & Sido – Happy End
3.5

Score