Die internationalen Neuheiten der Woche im Überblick. Mit dabei sind Rapsody, Cleo Sol, Kenny Beats und Denzel Curry
Rapsody – God Gotta Afro
Über Rapsody als Künstlerin müssen wir an dieser Stelle wohl nichts mehr schreiben, dass wir große Fans sind, sollte mittlerweile klar sein. Das neue Album »God Gotta Afro & Golden Hoops« ist für uns ein weiterer Grund, wieso. Es ist vielleicht nicht ganz das in sich zu 100 % stimmige Album wie »Eve«, dafür ist es etwas mehr durcheinander, aber genau das bringt dafür so wahnsinnig viel Spaß. Es ist eine große Freude, als Fans mitzuerleben, wie die Industrie Rapsody einfach nicht kleinkriegt und sie mit jedem Album selbstsicherer wird.
Auf dem neuen Projekt probiert sich Rapsody weiter aus. Es wird viel experimentiert, angetrieben wird sie dabei von den Beats von Mr. Porter, der bis auf wenige Ausnahmen einen Großteil der Tracks produziert hat. Insgesamt ein verdammt cooles Album von einer verdammt coolen Frau.
Denzel Curry & Kenny Beats – ii
Eine musikalische Freundschaft, wie sie im Bilderbuch steht. Ein bisschen fragt man sich allerdings auch, ob Kenny Beats gerade noch Zeit für anderes bleibt. Vor allem mit seiner Zusammenarbeit mit Bands wie IDLES oder Geese hat er sich auch außerhalb der Hip-Hop-Szene einen Namen gemacht, allerdings unter seinem richtigen Namen Kenneth Blume. Es scheint fast, als ob er dadurch etwas seriöser erscheinen möchte, obwohl er seine Erfahrungen oder Inspirationen durchaus in seine Hip-Hop-Projekte wie das letzte Projekt mit Rico Nasty, »RX«, einfließen lässt. Genau das hört man auch auf dem neuen Album »ii« mit Denzel Curry. Es ist das zweite Kollabo-Album der beiden und Fans von beiden kommen hier auf volle Kosten. Typisch für beide ist es etwas experimenteller und chaotischer, auf die beste Art und Weise. Denzel liefert starke Lyrics über großartige Beats und vielleicht hat Fana Hues sie inspiriert, aber es geht zum Teil auch ums Angeln. Wer ist da bitte nicht abgeholt?
Für alle, die doch lieber Kenneth und nicht Kenny hören möchten, hat der Produzent diese Woche auch ein neues Album mit Weezer in petto.
Cleo Sol – Gentlewoman
Das neue Cleo Sol Album kam mit bittersüßen und vor allem gemischten Gefühlen. Zum einen freut man sich als großer Cleo Sol Fan wahnsinnig, wenn ein doch recht seltener Solo-Release der Künstlerin veröffentlicht wird. Sols Stimme und Texte gehen direkt unter die Haut und setzen sich dort lange fest, ihre Musik ist wortwörtlich Seelenbalsam. Aber auf der anderen Seite wurde das Album wie auch ihre anderen Projekte von Inflo produziert, dem Mann an ihrer Seite und dem Kopf hinter Sault und vielen Little Simz Alben, außer eben dem letzten. Wäre das letzte Little-Simz-Album nicht gewesen, gäbe es auch keine bitteren Gefühle, aber leider haben sich Simz und wir wohl in Inflo getäuscht und er ist doch nur einer von vielen Männern der Musikszene, die zwar musikalisch Großartiges leisten, aber menschlich mehr als fragwürdig sind.
Was tun wir also mit dem neuen Cleo-Sol-Projekt, wenn der Mann, der eine andere Künstlerin angeblich so respektlos ausgenutzt hat, nun hinter Musik steckt, die wir vom Herzen gerne hören? Können wir in dem Fall die Künstlerin vom Produzenten trennen oder müssen wir kritischer hinterfragen, was Sols Rolle ist? Oder ist es unfair, Sol dafür ”büßen“ zu lassen? Es sind komplizierte und sehr gemixte Gefühle und ehrlicherweise ist genau Cleo Sols Musik der beste Trost dafür … wenn da nicht der unschöne Beigeschmack wäre.




