Die Alben des Monats | April 2026

Der April ist vorbei, die Sonne hat uns alle am vergangenen Wochenende nach draußen getrieben und wir konnten den Monat musikalisch noch einmal Revue passieren lassen. Wir stellen fest: Der Sommer kann kommen, denn die ersten Songs für unsere Playlists haben wir schon.

Levin Liam – Pech

Levin Liam – »Pech«

Wie viel »Pech« kann ein Mensch eigentlich haben? Wenn man den 17 Songs des zweiten Albums von Levin Liam Glauben schenken mag, dann eine ganze Menge. Verloren gegangene Liebschaften reihen sich aneinander, Enttäuschungen so weit das Auge reicht und vergebene Chancen noch und nöcher.

Ohne Zweifel, der Würfel des Hamburgers landet deutlich öfters auf der 1 als auf der 6 – was die Aufmachung des Würfels auf dem Cover auch nochmal visuell unterstreicht.
Und doch ist da immer wieder eine ganze Menge Hoffnung, die zwischendrin aufblitzt: Etwa, wenn Levin gemeinsam mit dem ebenfalls aus Hamburg stammenden c4rl durch die Nächte streift, die Blicke auf sich zieht. Ähnlich wie Trettmann damals Levin auf »Für dich da« mit auf die Tanzfläche und rein in den Mainstream gezogen hat, so scheint es dieses Mal in der Staffelübergabe dem Newcomer c4rl zu ergehen. Eine im Ohr hängenbleibende Hook, eine unique Stimme und ein Gespür für Stimmung bleiben – der junge Rapper legt mit seinen vor Quotables nur so strotzend Part, einen der memorabelsten Auftritte auf dem Album hin.

Überhaupt zieht es Levin Liam auf so gut wie jedem Track in die Clubs, erst recht wenn das Pech wieder an ihm zu kleben scheint. Man kann es Eskapismus nennen, man kann es Hedonismus nennen, aber zweifelsohne ist dieser Platz ein inspirationsgebender Ort für die Entstehung des Albums gewesen. Umso tiefer gehen daher die vielen leisen Momenten, die Levin durch das ganze Album pflastert. Ähnlich wie der Heimweg nach einer langen Partynacht fühlen sich manche der Momente an, auf denen Levin über die meist auf ein Minimum reduzierte Gitarrenklänge schwebt.

Das ist die Art von Musik, mit der sich der 26-Jährige über die vergangenen Jahre unaufhaltsam seinen Platz in der New Gen der deutschen Musikszene geschaffen hat und auch hier breitet er sein unverkennbares Rezept wieder über Cindy Lauper-Samples und detailverliebte Syntheinstreuungen aus. Mit kleinen neuen Ausarbeitungen wie dem ausufernden Gitarrensolo auf »Hunde«, der ersten Singleauskopplung des Albums, hat er aber früh aufgezeigt, dass diese Rezeptur immer und immer wieder neue Updates erhält.

Eigenen Sound gefunden, ausgefeilt und verbreitet: Levin Liam stellt mit seinem Zweitling »Pech« unter Beweis, warum er lange schon nicht mehr nur noch den Favorite Artist of your Favorite Artist-Status innehat. Nicht umsonst zeigen sich Menschen wie Max Herre, Apache207 oder sogar André Schürrle begeistert vom LLL-Sound. Pech, wer immer noch auf Levin Liam schläft.

Matthi Hilge

Ceren – xoxo, Ceren

Ceren – »xoxo, Ceren«

Es gab Post aus Berlin! Mit »xoxo, Ceren« kam vor zwei Wochen die erste EP der Berlinerin und gibt einen kurzen, zehnminütigen Einblick in ihr musikalisches Tagebuch.

So spontan wie der Hit »Shabab(e)s im VIP« mit Pashanim vor fast genau einem Jahr auch entstanden ist, konnte sich die junge Berlinerin für die eigene EP ihre Zeit nehmen. Die ersten Treffer landete sie bereits Anfang dieses Jahres mit Singles wie »DVD« und »Fashion Killa« und etablierte so Stück für Stück ihre Ästhetik, getränkt in Y2K-Nostalgie.

Ob auf Deutsch oder auf Türkisch, Cerens Texte handeln von Kindheitsträumen, einmal auf der großen Bühne zu stehen, junger Liebe und von ersten warmen Frühlingstagen. Dass die Mischung aus Großstadtmelancholie, catchy Hooks und verträumten Tönen funktioniert, ist nichts Neues und so findet man auch hier mit »Damals« oder »Spring Luv« Paradebeispiele für dieses Erfolgsrezept; Ceren hat also verstanden, was es braucht, um Hits zu machen, die im Ohr bleiben.

Ihre erste EP war zwar nur ein kurzer Gruß, doch gleichzeitig ein weiterer Grund dafür, dass es sich lohnen wird, Ceren in Zukunft im Auge zu behalten. Und bis zum nächsten Drop läuft dann eben »xoxo, Ceren« rauf und runter.

Lara Binge

Lugatti & Traya – Mit der Concorde über den Atlantik

Lugatti & Traya – »Mit der Concorde über den Atlantik«

Unverkennbare Kicks, präzise Sampleauswahl, ein Flow mit Wiedererkennungswert. Ein Soloalbum, auf das viele gewartet haben, denn Trayas Beats und Lugattis lyrischer Feinsinn passen zusammen wie Sauce zu dem Brot. Bereits die Singles der letzten Monate wie »quiet times« und »get buck« haben die Erwartungen hochgeschraubt und neugierig auf das Gesamtwerk gemacht.


Bodenständigkeit und Reflexion über vergangene Zeiten ziehen sich wie ein roter Faden durch die Tracks. Auch wenn thematische Anknüpfungspunkte zu früheren Releases bestehen, Stichwort Gas und tiefe Verbundenheit mit Köln, eröffnet sich hier dennoch eine neue Ebene. Nostalgie und Reminiszenz sind klar hörbar, doch gleichzeitig richtet sich der Blick nach vorn. Ein spürbares Innehalten, ein bewusster Schritt hin zu einem gesünderen, reflektierteren Lebensstil. Lines über Fitness und Ernährung wirken dabei nicht beiläufig, sondern wie ein Statement: mehr Selbstachtung durch Reduktion, mehr Klarheit durch Veränderung.

Auch kleine Rückgriffe auf frühere Projekte wie »Cansado« (2022) oder »MKS 2.0« (2018) finden ihren Platz, etwa in Tracks wie »Barbarossaplatzblues« oder »Sürtherstraßenfunk II«, letzterer mit einem stimmigen Feature von 9ine, der anderen Hälfte des Rap-Duos.
Zum ersten Mal taucht zudem OG LU auf dem Album auf und bringt in »fühl mich« die gewohnte Mischung aus markantem Flow sowie politischen und feministischen Themen ein.


Mit der Concorde über den Atlantik als neues Soloalbum von Lugatti lässt sich dabei auch als bewusster Schritt des Zurückblickens lesen. Ein Moment der Schwerelosigkeit über Köln, über dem Rhein, der sich fast wie der Atlantik anfühlt. Erinnerungen, die anklopfen, Verbundenheit, die das Herz erwärmt und eine gewisse Sättigung, die zeigt, dass man angekommen, aber noch lange nicht am Ende ist.

Victoria Schumacher