Die internationalen Neuheiten der Woche im Überblick. Mit dabei sind Syd, Steve Lacy, Masego und Nia Archives.
Nia Archives – Emotional Junglist
Mit ihrem letzten Projekt »Silence is loud« hat Nia Archives es geschafft, UK-Jungle wieder radiotauglich zu machen (zumindest für die guten Stationen). Oder vielmehr wieder ins Gedächtnis zu rufen und nicht nur als ferne Erinnerung aus den Noughties. Aber manchmal braucht es eben diesen einen Artist, der auch der nächsten Generation eine neue musikalische Welt eröffnet. Nia Archives schafft es, indem sie traditionellen Jungle-Beats ihren ganz eigenen Twist gibt: einen Hauch von Indie und Alternative und über allem emotionale Texte, die sie selber singt. Es geht um das Gefühl, sich auch umgeben von Menschen alleine zu fühlen, um das Gefühl, dass manchmal nichts so läuft, wie es sollte, um die großen Gefühle wie Liebe und Enttäuschung und all die aufwühlenden Gedanken, die das so mit sich bringt.
Auf der einen Seite fühlt man alles zu doll, auf der anderen dann wieder nichts. Passenderweise heißt das neue Album deshalb auch »Emotional Junglist«. Unterstützt wird sie in der Produktion von Ethan P. Flynn, der auch bereits auf »Silence Is Loud« dabei war, sowie von James Ford, bei dem vor allem Arctic-Monkeys-Fans aufgeregt aufhorchen werden. Features gibt es nur von zwei Artists, aber dafür sind es Jorja Smith und Sampha und mehr ist auch absolut nicht nötig. Archives hat mit dem zweiten Projekt erfolgreich ihren Sound etabliert, der einen ziemlich einzigartigen und wichtigen Stellenwert in der leider immer noch recht männlich dominierten UK-Szene hat.
Syd – Beard
Es war zwar in den letzten Jahren nie ganz still, aber doch recht ruhig um Syd. Vier Jahre hat sich die Künstlerin bis auf einige Singles erst einmal etwas zurückgezogen. Dafür gibt es nun das langersehnte Album »Beard« und die Auszeit scheint gutgetan zu haben. Entstanden ist ein wirklich schönes R&B-Album, das uns auf Tracks wie »Calling« oder »Do Better« zeigt, was gefehlt hat. Aber am meisten glänzt Syd für uns in Kollaboration mit anderen Artists wie
Blu June oder Big Sean. Umso besser, dass mit dem Release von zwei Fünfteln der Band auch die News kamen, dass wir nicht mehr weit weg sind von einem neuen The Internet Album und da strahlt Syd für uns immer noch am größten.
Steve Lacy – oh yeah?
Die Kodependenz der beiden scheint doch größer zu sein, als wir dachten. Es ist ebenfalls vier Jahre her, seit Steve Lacy sein letztes Soloalbum »Gemini Rights« veröffentlicht hat. Auch wenn es 2022 noch unterschiedliche Monate waren, gibt es dieses Jahr einfach einen Doppelrelease, der uns doppelt so glücklich macht. Ebenso wie bei Kollegin Syd ist das neue Album von Lacy namens »Oh yeah?« auch etwas auf der ruhigen Seite, was nach dem ersten Hören aber auch nicht schadet. Es gibt Features von SZA, Erykah Badu und Cecile Believe, aber im Mittelpunkt steht definitiv Lacy. Genau da überzeugt er uns nämlich auch am meisten, auf Songs wie: »doom«, »nice shoes / in your world« und dem Outro »bebe«.
Masego – Fix your Face
Wir bewegen uns wieder weiter Richtung R&B, aber diesmal mit diesem gewissen Spin, wie nur ein Masego ihn kann. Eigentlich reicht seine Stimme uns ja meistens schon aus, um zu überzeugen, aber der Mann ist ein Multiinstrumentalist und das ist wohl der größte Einfluss.
Das Ergebnis sind wirklich richtig schöne Tracks, die einen fast umschmeicheln und Spaß machen, genauer hinzuhören.




