KiD RiCK - From Nothing zum splash!
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KiD RiCK – From Nothing zum splash!-Act

Der Moment, in dem alles klickte, war kein Studioabend, sondern ein Besuch auf dem splash!-Festival. Als KiD RiCK auf dem Festival die Energie von Ski Aggu live erlebte, war da ein Gedanke: Das könnte ich auch. Nicht morgen, nicht ohne Arbeit, aber irgendwann. Für KiD RiCK ist dieses „irgendwann“ keine vage Vorstellung, sondern das Resultat Konsistenz. Sein Ziel: splash!-Act 2026 zu sein.

Mithilfe von Sound Design und Animation verleiht er seinen Tracks und der Promotion drumherum einen ganz neuen persönlichen Anstrich. Welcher Artist verbindet schon eigenständig derart viele kreative Disziplinen in seiner Arbeit? Eigene Cover, eigene Promo, eigene Vertonung der Reels und Tiktoks. Egal, ob als eine Art Musikvideo-Snippet oder unterhaltsame animierte Storylines über seine Arbeitsweise: Wir nehmen Teil an seinem Weg zur Stage. Er schafft es, dass man hängen bleibt und überrascht ist, etwas wirklich Originelles zu sehen in einer Welt von schnell konsumiertem Content.

KiD RiCK - From Nothing to splash!-Act
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Innerhalb von 2 Wochen auf 5k

Auf seinen Accounts postet KiD RiCK eine Zeit lang fast täglich, um Act auf dem splash!-Festival zu werden und tatsächlich fruchtete seine Strategie deutlich, denn in nur 2 Wochen sind seine Listener-Zahlen von 100 auf 5000 gestiegen. So bekommt seine Musik nicht nur ungleich mehr Aufmerksamkeit, sondern er schafft es, darüber hinaus mit seiner visuellen Welt in Erinnerung zu bleiben.

Obwohl er offiziell erst seit 2023 Musik eigenhändig aufnimmt und produziert, erweckt sein künstlerisches Repertoire einen ganz anderen Eindruck. Menschen wie er stampfen Projekte aus dem Boden, ohne zu wissen, was mit ihnen geschehen wird. Und genau diese Eigenschaft inspiriert auch einen selbst, Konsistenz für die eigenen Ziele an den Tag zu legen. Mittlerweile ist er bei fast 20.000 monatlichen Hörer*innen angelangt und somit auch ein ganzes Stück näher daran, auf einer splash!-Stage zu performen.

Hinter den Kulissen

Die meisten wissen nicht, wie zeitaufwändig Animation eigentlich ist. Zum Teil steckt Cedric, wie der Kölner bürgerlich heißt, in seine unterhaltsamen Reels bis zu acht Stunden Arbeit, um einen 12-sekündigen Clip zu erstellen. Deswegen konzentriert er sich mittlerweile nicht mehr auf tägliche Beiträge, sondern auf die Ausarbeitung seiner Tracks und gelegentliche Animationen.

Sein künstlerischer Background und seine Stage-Präsenz beschränkt sich auf Theater-AGs aus Kindertagen und Schulzeiten, aber dort merkte er schon früh, wie sehr er darin aufblüht. Auch das Malen und Zeichnen brachte er sich selbst bei, um einen Kanal für seine Gedanken und Gefühle zu haben. So erhielt er bei seinem Schulkamerad*Innen sehr schnell den Ruf des „Künstlers“. Sobald jemand aus seinem Umfeld visuellen Support oder Coverart brauchte, war er der allgegenwärtige Ansprechpartner.

Schon damals träumte er, gemeinsam mit seinem Rap-Kollegen Boy King auf Stages zu spielen. Seit 2019 produzierten sie gemeinsam Songs, inspiriert durch BHZ, Pashanim oder Makko. Corona machte dem damaligen Workflow einen Strich durch die Rechnung und die aufblühende Dynamik wurde gezwungenermaßen im Keim erstickt. Obwohl sich sein bester Freund von der musikalischen Verwirklichung im Rap dadurch abwandte, war das umso mehr Ansporn für Cedric den Traum seines Kollegen weiterzuleben: „Und dann habe ich mir gesagt, weißt du was, wenn er das nicht macht, dann mache ich das halt eben“. Angelehnt an die innige freundschaftliche Geschwisterdynamik zu Boy King nannte er sich als Pendant zu ihm schließlich KiD RiCK und pushte sich in die Gewohnheit, wie er in einem Gespräch erzählt:

„Ich habe jeden Tag Songs geschrieben, weil ich diese Routine reinbekommen wollte. Und wenn du jeden Tag ein bisschen machst, jeden Tag ein wenig dazu lernst, dann kommst du deinem Ziel immer, immer näher. Es scheint so unglaublich unwahrscheinlich, aber du schaffst es trotzdem. Und ey, nach zwei, drei Monaten kamen da schon ein paar Songs, wo Freunde meinten: ´Hey, der ist tough.´ Zum Beispiel »Aral«. Das ist mein zweitmeistgehörter Song. Den Song habe ich 2023 geschrieben. Das ist mein vierter Song jemals gewesen. Und der hat jetzt was? 30.000 Streams.“

Hard Work vs Gifted Kid

Er glaubt nicht an die naheliegende Theorie vom geborenen Talent, sondern an Wiederholung: „Und ich finde es irgendwie schade, dass wir in einer Welt leben, wo mir jeder sagt, man kann nichts schaffen, es ist nichts possible.“

KiD RiCK - From Nothing to splash!-Act
Foto via @AnalogBender

Er bezeichnet sich selbst als jemanden, der in allem erst einmal der Schlechteste war. Beim Malen fing alles damit an, dass er ein Mädchen beeindrucken wollte. Als sie plötzlich 3D-Häuser zeichnete, setzte er sich hin und übte, bis seine besser wurden. Dieses Prinzip zieht sich durch sein ganzes Leben. Auch heute noch sitzt er teilweise 30 Minuten an einem einzigen Wort, weil sein Sprachfehler es ihm schwer macht, es sauber auszusprechen. Für ihn ist es der Beweis, dass Fortschritt keine Gabe ist, sondern eine Entscheidung. Die Geschichte vom „Gifted Kid“ ist vielleicht ein schönes romantisches Label, aber Disziplin erzählt auf lange Sicht die inspirierende Geschichte.

Underrated Heavyweight Köln

Wenn man in Deutschland nach Rap-Metropolen fragt, fällt fast automatisch Berlin. Vielleicht noch Hamburg. Aber Köln? Für viele endet die Liste nach Namen wie Lugatti & 9ine. Für KiD RiCK ist genau das ein weiterer Ansporn, Köln als Rohdiamant mit anderen gemeinsam weiterzuschleifen. Köln ist eine „Goldmine“, wie er sagt. Und trotzdem spielen viele Artists hier auf Sparflamme oder schielen Richtung Hauptstadt, als müsste man erst Berliner Luft atmen, um relevant zu sein zu dürfen.
KiD RiCK will dieses Mindset aufbrechen. Er will, dass Köln nicht nur als Stadt mit dem Dom in einer Line auftaucht, sondern als echtes musikalisches Epizentrum wahrgenommen wird: „Ich will, dass Köln genauso ein Heavyweight ist, wie Berlin in der Musik. Und da will ich natürlich auch, dass Leute ehrlich zueinander sind und einfach zeigen, dass sie nerdy sind, dass man nerdy und cool sein kann. Und drittens, dass man alles schaffen kann, was man schaffen will.“

KiD RiCK - From Nothing to splash!-Act
Foto via anniberens

Haben wir am Ende nicht alle Träume von denen wir wissen, dass sie eigentlich keine sind, sondern Teil unserer Zukunft werden? Dinge, für die wir brennen und in die wir unser ganzes Herzblut hinein geben, ohne wirklich zu wissen, wohin uns einzelne Handlungen führen werden? Am Ende ist KiD RiCK auch kein Märchen vom plötzlichen Durchbruch, sondern jemand der sich selbst formt. From Nothing ist bei ihm kein Ausgangspunkt mehr. Es ist ein Beweis, dass man aus einer Idee eine Realität bauen kann, wenn man lange genug daran arbeitet. Vielleicht steht er also 2026 tatsächlich auf der splash!-Stage und wird sich an den Moment erinnern, als er beschloss, nicht nur Zuschauer sein zu wollen.