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	<title>Burgeramt Archive - Mostdope</title>
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		<title>Escape über »Die or Die Tryin&#8217;«, persönliche Ansprüche und rappen mit Vollzeitjob</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Magnus Menzer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Feb 2023 15:49:55 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Aus Meck.-Pomm. nach Berlin, aus Drogensucht und Kriminalität über Entzug und Therapie in die geregelte 40-Stunden-Woche. Escape hat einen mühevollen Weg hinter sich. Doch aus Leben auf Minus wird Leben auf Null, mit Perspektive auf Plus. Der jüngste Werdegang trägt Zuversicht, auch dank fruchtbarer musikalischer Kooperationen und steigender Streamingzahlen. Escape hat einiges zu erzählen und er tut das, wie kaum ein anderer in Deutschland. Mal attackiert er sperrige Trap-Beats mit passgenauen Flows, mal rappt er lässig über organische Instrumentals. Witzige [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://mostdope.tv/interviews/escape-im-interviewueber-neues-album-die-or-die-tryin-seinen-weg-persoenliche-ansprueche-und-rappen-mit-vollzeitjob">Escape über »Die or Die Tryin&#8217;«, persönliche Ansprüche und rappen mit Vollzeitjob</a> erschien zuerst auf <a href="https://mostdope.tv">Mostdope</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Aus Meck.-Pomm. nach Berlin, aus Drogensucht und Kriminalität über Entzug und Therapie in die geregelte 40-Stunden-Woche. Escape hat einen mühevollen Weg hinter sich. Doch aus Leben auf Minus wird Leben auf Null, mit Perspektive auf Plus. Der jüngste Werdegang trägt Zuversicht, auch dank fruchtbarer musikalischer Kooperationen und steigender Streamingzahlen. </strong></p>



<p><strong>Escape </strong>hat einiges zu erzählen und er tut das, wie kaum ein anderer in Deutschland. Mal attackiert er sperrige Trap-Beats mit passgenauen Flows, mal rappt er lässig über organische Instrumentals. Witzige Punshlines folgen auf todernste Parts, Flex auf Therapie, Verherrlichung auf Reflektion. Escape ist ein Meister des Drahtseilakts, er spielt mit den Schwankungen und behält dabei stets stabilen Kontakt zur Mitte, zum Beat, zu sich selbst. Escape ist authentisch, keine Kunstfigur, sondern Sprachrohr, Tagebuch, narrative Instanz einer echten Person mit echten Problemen. </p>



<p><strong>Mostdope </strong>hat ihn im Friedrichshainer <strong>Burgeramt </strong>getroffen und ein paar Fragen loswerden dürfen. Welche Einflüsse die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Produzenten wie <strong>DeLaurin </strong>und <strong>Ikarus</strong> auf seinen Stil hat, wie sich sein neuer Lebensalltag mit dem Dasein als Rapper verträgt und was man in Zukunft von ihm erwarten darf, erfahrt Ihr nun im folgenden Interview.</p>



<div style="height:2px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-01-1024x683.jpg" alt="Escape im Mostdope Interview" class="wp-image-9317" srcset="https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-01-1024x683.jpg 1024w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-01-300x200.jpg 300w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-01-768x512.jpg 768w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-01-1536x1024.jpg 1536w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-01-2048x1366.jpg 2048w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-01-360x240.jpg 360w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-01-500x333.jpg 500w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-01-800x533.jpg 800w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-01-1280x853.jpg 1280w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-01-1920x1280.jpg 1920w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-01-720x480.jpg 720w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-01-770x513.jpg 770w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-01-1400x933.jpg 1400w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto via Maxime Schubert</figcaption></figure>



<div style="height:3px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><strong>Du befindest dich ja gerade mitten in einem ordentlichen Release-Flow. Auf der einen Seite eine Konzeptreihe als Trilogie gemeinsam mit Ikarus, auf der anderen Seite quasi zwischendurch das »Die Or Die Tryin« Tape mit DeLaurin. Was genau ist das Konzpt hinter dieser Trilogie und wie fügt sich das aktuelle Tape da rein? </strong><br>Die Trilogie besteht aus »<a href="https://open.spotify.com/album/2PMENKivE0stPLatArclNx">Leben auf Minus</a>«, »<a href="https://open.spotify.com/album/5lVnD0yFwbpmiDtVXUpGrg">Leben auf Null</a>« und »Leben auf Plus«. Die Idee kam mir, als wir »Leben auf Minus« gedroppt haben, dass wir auch eine Trilogie draus machen könnten und ich diese harte Zeit verarbeite. »Leben auf Minus« ist straight das <strong>„</strong>illegale Leben<strong><strong><strong>“</strong></strong></strong>, »Leben auf Null« soll nochmal die Zeit kurz vor der Therapie Revue passieren lassen und »Leben auf Plus« soll dann aus der Zeit entstehen, wo ich nicht mehr von meinem Dispo lebe. Geplant hatten wir eigentlich, dass es im Sommer kommt, aber ich denke, dass wir es erst 2024 liefern können, weil ich noch ein bisschen Zeit brauche, bis »Leben auf Plus«. Es hat sich zwar viel getan, aber noch ist es nicht so weit und deswegen habe ich das Album jetzt nachgeschoben. Ursprünglich wollte ich das erst danach veröffentlichen, aber jetzt ist es fertig und es ist geil und ich denke nicht, dass das irgendwie den Plan überwirft.</p>



<p><strong>Aber was würdest du sagen, welchen Platz es in diesem Trilogie-Rhythmus für einnimmt? Also bist du da auch bei »Leben auf Null« oder nimmt das den ganzen Prozess mit?</strong></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-14-683x1024.jpg" alt="Escape im Mostdope Interview" class="wp-image-9333" width="318" height="477" srcset="https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-14-683x1024.jpg 683w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-14-200x300.jpg 200w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-14-768x1152.jpg 768w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-14-1024x1536.jpg 1024w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-14-1366x2048.jpg 1366w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-14-500x750.jpg 500w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-14-800x1200.jpg 800w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-14-1280x1920.jpg 1280w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-14-1920x2880.jpg 1920w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-14-770x1155.jpg 770w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-14-1400x2100.jpg 1400w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-14-scaled.jpg 1707w" sizes="(max-width: 318px) 100vw, 318px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto via Maxime Schubert</figcaption></figure>
</div>


<p>Nee, also eigentlich ist es so ähnlich wie »Leben auf Null« weil weil es diesen Mix aus Verherrlichung und Consciousness hat. Es ist von der Message fast gleich, nur nicht so depressiv. Bei »Leben auf Null« ist alles ein bisschen langsamer und bei »<a href="https://open.spotify.com/album/2jmsDW2MXWQhqTAs21btih">Die Or Die Tryin&#8217;</a>« gibt es halt einfach das ganze Album lang krass auf die Fresse. Wir haben auch zwei ruhige Songs dabei, die dann für das Reflektieren sprechen. Und der Abschluss vom Album ist auch so ein sehr ruhiger, langgezogener Track und deswegen passt das schon sehr gut rein, finde ich. Ich denke das sogar vor »Leben auf Plus« noch noch ein anderes Album kommen wird und das ich mir für die Arbeit mit Ikarus ein bisschen Zeit lasse, weil wir ja bei »Leben auf Minus« und »Leben auf Null« beattechnisch fast gleich sind. Es hat sich nur viel im Prozess an der Stimme geändert, aber diese Trap-Phonk Beats sind ja so ziemlich gleich geblieben und wir wollen das bei »Leben auf Plus« auf jeden Fall aufbrechen und etwas anderes machen. Vielleicht ein bisschen in die G-Funk/Trap-Schiene, so <strong>Shoreline-Mafia</strong> mäßig.</p>



<p><strong>Würdest du sagen, dass du vielleicht auch durch die die Arbeit mit DeLaurin Blut geleckt hast, was neue Sounds angeht? Weil da höre ich auf jeden Fall vielfältigere Einflüsse heraus. Oder was macht für dich persönlich die Zusammenarbeit mit DeLaurin aus?</strong><br>Bei DeLaurin habe ich den Spaß dran gefunden, dass ich im Entstehungsprozess der Beats komplett mit drin bin. Bei Ikarus ist es so, dass der weiß, was ich für Beats mag und dann schickt er mir auch die Richtigen. Aber das ist was komplett anderes, ob ich auf einen fertigen Beat schreibe oder von Beginn an mit im Studio sitze und sage: „Diese BPM-Zahl, diese Snare, diese Hi-Hat, da will ich den Rhythmuswechsel haben.“ Deswegen habe ich dahingehend bei DeLaurin mehr Blut geleckt. Wenn ich mich jetzt für einen Produzenten entscheiden müsste, mit dem ich zukünftig nur noch zusammenarbeite, dann wäre das auf jeden Fall er. Ohne jetzt was schlechtes gegen Ikarus zu sagen, aber das ist halt ein anderer Prozess. Jeder Beat von DeLaurin ist eigentlich zu 50% auch ich. Es war deshalb aber auch der längste Entstehungs-Prozess. Zwischen dem ältesten Track auf dem Album und dem letzten Song, der entstanden ist, liegen ungefähr zwei Jahre Arbeit an dem Album.</p>



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<div style="height:28px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><strong>Am Ende von »Die or Die Tryin&#8217;«</strong> <strong>rappst du ja: „Ab heute lebe ich mit dem Schmerz.“ Das wirkt für mich schon wie ein versöhnlicher Ausblick, als hättest du da einen Frieden gefunden. Ist dann das Ziel oder die Zukunftsperspektive gar kein Schmerz mehr?</strong><br>Ich würde sagen, die Perspektive ist es eher so, den Schmerz nicht mehr wegzumachen, sondern einfach damit klarzukommen. Es ist ja nicht jeden Tag Schmerz. Ich habe schlimme Tage zwischendurch, sag ich dir ganz ehrlich, wo die Depression, wenn man es so nennen möchte, ziemlich kickt, aber es ist nicht mehr so extrem. Vorher war das immer so ein Up and Down durch die Substanzen, die man sich gegeben hat, hoch und runter, hoch und runter. Und jetzt ist es eher so eine gleichbleibende Kälte, in der man die besseren Momente auf jeden Fall mehr zu schätzen weiß. Außerdem erlebt man einfach alles mehr und nimmt das alles auch klarer wahr. Und deswegen hat der Abschluss auf dem Album schon was versöhnliches. Es gibt viele Sachen, die noch auf mich zukommen werden und auch schon auf mich zugekommen sind. Aber es ergibt ja keinen Sinn, das alles immer nur zu verdrängen, sondern irgendwo muss man lernen, damit umzugehen. Spätestens wenn es an die eigene Gesundheit geht, so wie bei mir letztes Jahr, dann wird es unverweigerlich klar, dass sich was ändern muss. Und deswegen musste alles dazu kommen, wie es jetzt ist.</p>



<p><strong>Also kann man schon sagen, dass du dich aktuell in einer besseren Phase deines Lebens befindest. Würdest du meinen, dass du in schlechten Zeiten kreativer bist?</strong><br>Die letzten sechs, sieben Monate hatte ich gar nicht mehr die Möglichkeit, meiner Kreativität freien Lauf zu lassen, wie ich es früher gemacht habe, weil ich halt 40 Stunden arbeite. Dazu bin ich auch nicht unbedingt der liquideste Typ. Ich bin schon immer am Limit mit meiner Kohle. Dann ein Studio zu mieten, Produzenten zu bezahlen, das ganze Promo Material&#8230; &#8211; das kostet alles Geld und ich kann mir nicht immer nur Leute suchen, die mir aus Liebe alles geben. Ich will ihnen auch was zurückgeben. Die machen ja auch einen extrem wichtigen Job. Deswegen sind die Momente, wo ich gerade mal ins Studio kann, eher spontane Aktionen. Und dann bist du im Studio und bist dabei, wie der Beat gebaut wird und dann kommt halt alles, was sich so angestaut hat raus. Die letzten zwei Wochen, wo du keine Musik machen konntest oder auch gar keinen Kopf dafür hattest. Wenn ich nach Hause komme nach einer neun Stunden Schicht, dann gucke ich zwei Folgen Naruto und penne.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-07-1024x683.jpg" alt="Escape im Mostdope Interview" class="wp-image-9326" srcset="https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-07-1024x683.jpg 1024w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-07-300x200.jpg 300w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-07-768x512.jpg 768w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-07-1536x1024.jpg 1536w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-07-2048x1366.jpg 2048w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-07-360x240.jpg 360w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-07-500x333.jpg 500w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-07-800x533.jpg 800w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-07-1280x853.jpg 1280w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-07-1920x1280.jpg 1920w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-07-720x480.jpg 720w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-07-770x513.jpg 770w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-07-1400x933.jpg 1400w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto via Maxime Schubert</figcaption></figure>



<p><strong>Das heißt, die Texte kommen dann auch im Studio auf den Beat oder schreibst du schon vorher so ein paar Lines zusammen?</strong><br>Ne! Das ist alles on scratch. Ich wüsste nicht, wann ich das letzte Mal ins Studio gegangen bin und den Text schon hatte. Ich glaube, der Song »<a href="https://www.youtube.com/watch?v=jr-9Uncwxy8&amp;ab_channel=EscapeCakeguetta">Marcel</a>«, der ist so entstanden. Da hatte ich mit DeLaurin nochmal, kurz bevor das Förderungsgeld kam für das Album, auf Druck was machen müssen. Also wir hatten eine krasse Mixing Session, wo wir alles nochmal neu aufgenommen haben und neu gemixt haben und so, damit wir das dann ins Mastering geben können. Und da habe ich auf dem Hinweg ins Studio den Text geschrieben, ohne Beat. Aber lass mich lügen, vielleicht zwölf Zeilen oder so, keine Hook, gar nichts. Wir haben dann zusammen Song den gebaut und da hat es einfach gepasst. Das war aber wirklich das einzige Mal, wo ich mich jetzt bewusst dran erinnern kann, dass ich schon was vorgeschrieben habe. Ansonsten baue ich halt, während der Beat entsteht und bin meistens durch Zufall echt genau dann mit dem Text fertig, wenn der Beat im Arrangement so steht, dass man aufnehmen kann. Im Hintergrund passiert dann noch mal was. Vielleicht schreibt man am nächsten Tag nochmal eine Zeile um oder vielleicht auch ein, zwei Monate später. Aber im Großen und Ganzen ändert sich da nicht mehr viel.</p>



<p><strong>Ja, ich finde, wie du das beschreibst, passt voll darauf, wie ich die Songs wahrnehme. Dass Song für Song jeweils für sich aus einer bestimmten Energie entsteht, kann ich mir gut vorstellen. Was ist dann dein Anspruch? Ab wann holt dich ein Song wirklich ab? Was erwartest du auch von dir selber?</strong><br>Es gibt eigentlich bei jeder Session diese starken Momente. Beim Beatbauen ist es so, dass ich ab einem bestimmten Punkt richtig Bock habe auf den Beat draufzugehen, weil der bounced, in einer bestimmten BPM Zahl ist oder wie auch immer. Und beim Schreiben ist es dann manchmal so, dass ich über meine eigenen Punchlines lache. Mein einziger Anspruch ist dann wirklich, ich muss den Song gut finden. Ich mach mir keine Gedanken darüber, wie es jemand anderes findet, sondern produziere so, dass ich den geil finde und dass ich den auch immer noch geil finde, wenn ich ihn in vier Wochen noch mal höre. Nur so bleibt das auch irgendwie meine eigene Musik.</p>



<p><strong>Hast du so eine favorite Punchline von dir selber?</strong><br><strong>„</strong>Ich gebe mein letztes Hemd. Sie fragen Was hast du noch?<strong><strong>“</strong></strong> Das finde ich zum Beispiel immer noch ziemlich gut. Sowas lässt dann auch einen sehr oberflächlichen, restlichen Text sehr gut wirken.</p>



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<div style="height:1px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><strong>Weil du vorhin meintest, dein Anspruch sei vor allem erstmal, dass du die Songs selber gut findest. Hörst du dann auch deine Tracks selber?</strong><br>Ja, tatsächlich. Also letztes Jahr bei »Leben auf Null« habe ich diese ganzen Rohsachen gehört und ich habe das Album einfach gar nicht gefühlt. Dann haben wir im Mixing ganz viel anders gemacht und viel die Stimme verändert und irgendwann kam der Modus, dass ich das durchgehört habe und mir wirklich dachte: <strong>„</strong>Dicker, das ist ein geiles Album!&#8221; Und bei dem Album, was wir jetzt gemacht haben, ist es auch so. Ich höre es von Anfang bis Ende durch. Das ist genau die Strecke von mir zu Hause bis zur Arbeit, vom ersten bis zum letzten Song. Und ich finde es immer noch gut. Ich feiere meine eigene Musik jetzt nicht zu 100%, da bin ich schon auch sehr selbstkritisch, aber ich kann sie definitiv besser hören als als damals.</p>



<p><strong>Und es ist auch so, wenn du alte Sachen hörst, dass du dir bei manchen Stellen unzufrieden bist und daran merkst, was du gern anders machen würdest?</strong><br>Ja, safe. Ich mag es zum Beispiel gar nicht, wie ich manchmal an bestimmten Stellen so Hausmaus Reime gemacht habe.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><strong>&#8230;[Ich] bin keine Kunstfigur, sondern ich versuche so viel wie möglich ich selbst zu sein. Anders kann ich das auch gar nicht. </strong></p>
<cite>Escape über sein Authentizitätsempfinden</cite></blockquote>



<p><strong>Du hattest ja vorhin schon von</strong> <strong>»Marcel« gesprochen. Die Kernaussage da ist ja: <strong>„</strong>Escape ist nur ein Name, der berichtet, was Marcel macht.&#8221; Wie viel Marcel lässt du denn in deine Musik rein?</strong></p>



<p>Ich könnte jetzt sagen, 100%. Aber ich denke, durch die Erfahrungen sagt man einige Sachen natürlich nicht. Das ist auch ganz normal. Ich erzähle ja auch nicht jedem Kumpel alles was mich bedrückt oder was ich denke. Aber ich würde schon sagen, dass Marcel und Escape genau die gleichen Personen sind. Das ist, was ich damit auch ausdrücken wollte. Dass ich nicht über irgendwas rappe, was jeder andere auch durchgemacht hat. Na klar gibt es Parallelen und so, aber ich bin keine Kunstfigur, sondern ich versuche so viel wie möglich ich selbst zu sein. Anders kann ich das auch gar nicht. Eigentlich ist jeder Song nur wie eine Seite in einem Tagebuch, wo ich dann in zwei Jahren sagen kann: <strong>„</strong>Okay, da ging es mir so, jetzt geht es mir so&#8230;&#8221;</p>



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<div style="height:3px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><strong>Du meintest im Vorgespräch, dass DeLaurin genau wie du auch aus der Musik heraus<strong>kommt</strong>. Worauf beziehst du dich da?</strong><br>Also ich habe mit zwölf eine Gitarre bekommen, weil ich einen extremen Flash auf Nirvana hatte. Das war so meine erste Berührung mit Musik. Dann hatte ich eine Schülerband und habe da auch mal Bass gespielt und wenn die Bandprobe vorbei war, auch ein bisschen Schlagzeug. So habe ich extrem Gefallen daran gefunden, nicht nur an bestimmten Musikrichtungen, sondern allgemein am Musikmachen. Genau das merkt man bei DeLaurin auch. Der produziert fast nie mit Samples, das ist alles selbst eingespielt. Es sind alles irgendwelche Synthies oder irgendwelche echten Instrumente, die wir oder die er benutzt. Das ist alles echt.</p>



<p><strong>Dann dazu noch die Klischee-Frage schlechthin, aber wann bist du zum Rap direkt gekommen? Wenn du meinst, deine musikalische Sozialisierung lief vor allem über Nirvana.</strong></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-08-683x1024.jpg" alt="Escape im Mostdope Interview" class="wp-image-9327" width="265" height="397" srcset="https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-08-683x1024.jpg 683w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-08-200x300.jpg 200w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-08-768x1152.jpg 768w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-08-1024x1536.jpg 1024w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-08-1366x2048.jpg 1366w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-08-500x750.jpg 500w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-08-800x1200.jpg 800w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-08-1280x1920.jpg 1280w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-08-1920x2880.jpg 1920w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-08-770x1155.jpg 770w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-08-1400x2100.jpg 1400w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-08-scaled.jpg 1707w" sizes="(max-width: 265px) 100vw, 265px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto via Maxime Schubert</figcaption></figure>
</div>


<p>Ich hatte eine lange Nirvana Phase. Aber nicht nur <strong>Nirvana</strong>, auch<strong> System of a Down</strong>, <strong>Limp Bizkit</strong>, <strong>Korn</strong> oder <strong>Slipknot</strong>. Da dann immer auch noch die Konstante zu diesem Kopfnicken. Also das war Bandmusik, aber irgendwie auch mit Hip-Hop-Einflüssen. Irgendwann ist das dann total umgeschwenkt in Black Metal. Dann hatte ich so eine ganz schlimme Black Metal Phase mit langen Haaren und Springerstiefeln und wirklich abgedrehten Sachen. Da hat man geträumt von Kirchen abfackeln und so einem Scheiß. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass diese Szene voll mit intoleranten und auch mit rechten Menschen ist. Und dann hatte ich keinen Bock mehr auf diesen ganzen Scheiß und habe wieder den Weg zurückgefunden zu Limp Bizkit und von da zu <strong>Lootpack</strong>, <strong>Madlib</strong>, <strong>Outkast</strong>, <strong>Eminem</strong>, so &#8211; dieser ganze amerikanische Rap-Film. Lass mich da 18 gewesen sein. Und dann habe ich, glaub ich, mit 20, 21 mal selber einen Rap-Text geschrieben, weil es in Neubrandenburg, da wo ich gewohnt habe, zu der Zeit zwei Rapper gab, mit denen ich befreundet war. Der eine hieß <strong>Don Noah</strong>, der andere hieß <strong>Lennox</strong> und die haben geilen Scheiß gemacht, dafür dass niemand die kannte und man war so ein bisschen angetörnt davon, weil die sich selber aufgenommen haben, selber gemixt haben und so. Und für die war es aber immer eine Lachnummer, weil ich immer nur der war, der deren Texte mit gerappt hat und deren Mucke angemacht. Dann meinen sie irgendwann zu mir, ich solle doch mal selber was machen. Daraufhin habe ich in ein oder zwei Wochen meinen ersten Text geschrieben, bin zu Lennox nach Hause gegangen und habe da aufgenommen. Als ich aufgenommen hatte, war noch ein Part frei auf dem Beat und meinte so zu mir: <strong>„</strong>Jo, ich rappe da auch noch einen Part ein.&#8221; Das war dieses stille Zeichen dafür, dass ich nicht so schlecht abgeliefert hatte. Nach dem Motto: Er würde sich nicht dafür schämen, auf dem Song auch vertreten zu sein. Und dadurch hab ich erst richtig Bock bekommen. Es muss 2009 oder 2010 gewesen sein, da habe ich meine ersten drei Songs gemacht. Dann hatte ich aber eine ganz schlimme Drogenphase und dadurch wurde das alles sehr vernachlässigt. Wenn dann habe ich nebenbei nur voll auf Drogen Musik gemacht. Irgendwann nach einem Auftritt in Greifswald, 2014, das muss mein vierter oder fünfter gewesen sein, habe ich gemerkt , dass ich jetzt ernst machen möchte. Ich hatte keinen Bock mehr, mich von irgendwem aufhalten zu lassen oder irgendwem hinterherzurennen wegen irgendwas. Ich dachte mir, ich mach das jetzt alles selber. Ich will jetzt Rap machen.</p>



<p><strong>Also diese Rock- und Metal-Einflüsse, finde ich, hört man irgendwie so gar nicht raus aus dem, was du jetzt selber musikalisch machst. Würdest du sagen, dass du aus diesen Wurzeln noch was mitnimmst in deine Musik heute?</strong></p>



<p>Das einzige, was mit rübergeschwappt ist von diesen Wurzeln, sind halt ein paar Melodien auf der Gitarre, die wir damals in unserer Black Metal Zeit hatten und so einige andere Melodien auch, die wir, ohne dass es ein Song geworden ist, hatten. Die habe ich hier und da mit einfließen lassen. Auf DeLaurins<strong> </strong>letztem Release ist ein Song drauf, der heißt &#8220;Ich lass mich fallen&#8221;, da ist die Gitarre von mir und das ist tatsächlich ein Gitarrenstück, das ich selbst gemacht habe mit 14.</p>



<p><strong>Dann bleiben wir mal in diesem Rückblicksmodus. Du meinst, seit 2014 hast du wirklich voll das Rap-Ding im Kopf. Was sind Achievements, auf die du bisher schon stolz zurückblickst oder mit denen du sehr zufrieden bist?</strong><br>Mandala. Das war mein erstes Solo Release, da fand eine größere Veränderung statt. Vorher war alles sehr Boom-Bap geprägt. Irgendwie hatte es mich aber gepackt und ich wollte was neues machen, wusste nur nicht, mit wem. Und dann habe ich <strong>Audi Bamer </strong>gefragt. Er hat mir so 20 Beats geschickt, von denen ich alle scheiße fand. Dann hat er mir nochmal 20 Beats geschickt, von denen ich alle scheiße fand. Und dann habe ich gesagt, hier sind 20 Alben, hör dir die an und dann baue noch mal Beats. Und das hat einfach funktioniert. Dann hat er mir auf einmal Beats geschickt, die geil waren und dann hat er »<a href="https://www.youtube.com/watch?v=ZbwcBisZypo&amp;ab_channel=HipHopRepair">Mandala</a>« produziert. Sechs Songs, ein Feature und ich wollte mit ihm zusammen das Album auf Platte rausbringen. Nur konnten wir das nicht finanzieren. Aus Verzweiflung habe ich einfach fucking Spenden gesammelt auf Instagram und meinte so: <strong>„</strong>Jo, wenn 100 Leute mir 17 € geben, lass ich auf jeden Fall 300 Platten machen.&#8221; Und innerhalb von ein oder zwei Monaten hatte ich tatsächlich so 1800 € auf PayPal. Und da kamen immer mehr Spenden, wo Leute auch gesagt haben, sie wollen gar keine Platte haben, sondern mich einfach nur unterstützen. Das war so der erste Moment, als ich richtig gemerkt habe, dass da eine Fanbase ist, die mich wirklich supported. Ich kann für die was machen, die machen was für mich. Und dann kam die Platte raus und war ziemlich schnell ausverkauft. Heute kriegst du die auch nicht mehr, außer für 70 € auf Discogs. Da waren wir schon stolz. Das war so diese Wende.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-04-1024x683.jpg" alt="Escape im Mostdope Interview" class="wp-image-9323" srcset="https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-04-1024x683.jpg 1024w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-04-300x200.jpg 300w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-04-768x512.jpg 768w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-04-1536x1024.jpg 1536w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-04-2048x1366.jpg 2048w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-04-360x240.jpg 360w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-04-500x333.jpg 500w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-04-800x533.jpg 800w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-04-1280x853.jpg 1280w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-04-1920x1280.jpg 1920w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-04-720x480.jpg 720w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-04-770x513.jpg 770w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-escape-04-1400x933.jpg 1400w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto via Maxime Schubert</figcaption></figure>



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<p><strong>Dann zum Abschluss vielleicht ein kleiner Blick in die Zukunft: Wir wissen, es kommt jetzt noch »Leben auf Plus«. Was ist sonst geplant?</strong><br>Ich werde auf jeden Fall ein Album machen, welches man gut platzieren und pitchen kann. Einfach als kleinen Try-Out für mich. Zu sehen, was passiert, wenn ich thematisch und beattechnisch versuche, eine bestimmte Gruppe anzusprechen. Das ist eher so ein Experiment. Dann wie gesagt, »Leben auf Null«. wir haben schon angefangen daran zu arbeiten. So, es gibt schon drei vier Songs, die da rumliegen und dann werde ich noch ein Release machen, was punkig wird. So in dem Style, wie Slowthai auf manchen Songs. Also ein verzerrter Bass und dann Musik darüber, wie man halt saufen geht oder so was. Weil ich habe auch auf »Die or Die Tryin&#8217;« einen einen Song, der so ähnlich ist (»<a href="https://open.spotify.com/track/3JVx3Z1oWSrMAHuost9HR1?si=6b291e0055034fe0">Im Griff</a>«), wo ich auch selbst den Bass eingespielt habe und sowas würde ich gern mehr auf Konzerten spielen.</p>



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<iframe title="Spotify Embed: Im Griff" style="border-radius: 12px" width="100%" height="152" frameborder="0" allowfullscreen allow="autoplay; clipboard-write; encrypted-media; fullscreen; picture-in-picture" loading="lazy" src="https://open.spotify.com/embed/track/3JVx3Z1oWSrMAHuost9HR1?si=ac2b6ae6fa0443d8&#038;utm_source=oembed"></iframe>
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<p><strong>Der Song hat für mich beim Hören auf jeden Fall auch rausgestochen.</strong><br>Und ich hab ihn jetzt auch ein paarmal live gespielt und der hat schon am meisten reingehauen. Da haben auch die Leute sich bewegt, die an der Garderobe standen. Die sonst eher zu Metal oder Punkveranstaltungen gehen oder gar nicht interessiert sind an Hip Hop.</p>



<p><strong>Willst du das dann aber auch mit Live-Band aufziehen?</strong><br>Ja genau! Also DeLaurin wäre der Drummer. Ich würde dann glaub ich nur den Rap machen, aber trotzdem vorher für die Melodien sorgen. Und dann schauen wir, dass wir noch ein Gitarristen, Pianisten und einen Bassisten finden. Das wäre schon so ein Traum von mir.</p>



<p></p>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-medium-font-size">Viel Dank geht an das <a href="https://l.instagram.com/?u=https%3A%2F%2Fwww.burgeramt.com%2F&amp;e=ATOAyBKJMxdRawK53UzQlNk2fIqhgDYSNbglrEVrOUFV3dHKP6m9aaveBacqmqQFOrDZV_o55gjDhthnSDoqY2bb7P5dB_WZDWIn-g&amp;s=1">Burgeramt</a> und Maxime Schubert.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://mostdope.tv/interviews/escape-im-interviewueber-neues-album-die-or-die-tryin-seinen-weg-persoenliche-ansprueche-und-rappen-mit-vollzeitjob">Escape über »Die or Die Tryin&#8217;«, persönliche Ansprüche und rappen mit Vollzeitjob</a> erschien zuerst auf <a href="https://mostdope.tv">Mostdope</a>.</p>
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		<title>Luvre47 über »Herz«, die Stigmatisierung seiner Musik und die ewige Frage der Authentizität</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Tom Wittpohl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 14 May 2022 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Im Februar dieses Jahres hat der Neuköllner Luvre47 sein Debütalbum »Herz« veröffentlicht. Grund genug sich am Ort seiner Releaseparty, dem berühmt berüchtigten Burgeramt in Berlin-Friedrichshain, zu treffen, um mit ihm über seine Musik und deren Hintergründe zu sprechen. Dabei geht es um Schubladendenken in der Industrie, das Ausbrechen aus diesem und die Frage, wer eigentlich wo seine Musikvideos drehen darf. Das Album hat ja relativ lang auf sich warten lassen. Du bist schon länger dabei und hast auch gefühlt schon [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://mostdope.tv/interviews/luvre47-ueber-herz-die-stigmatisierung-seiner-musik-und-die-ewige-frage-der-authentizitaet">Luvre47 über »Herz«, die Stigmatisierung seiner Musik und die ewige Frage der Authentizität</a> erschien zuerst auf <a href="https://mostdope.tv">Mostdope</a>.</p>
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<p><strong>Im Februar dieses Jahres hat der Neuköllner Luvre47 sein Debütalbum »Herz« veröffentlicht. Grund genug sich am Ort seiner Releaseparty, dem berühmt berüchtigten Burgeramt in Berlin-Friedrichshain, zu treffen, um mit ihm über seine Musik und deren Hintergründe zu sprechen. Dabei geht es um Schubladendenken in der Industrie, das Ausbrechen aus diesem und die Frage, wer eigentlich wo seine Musikvideos drehen darf.</strong></p>



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<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-11-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-5699" srcset="https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-11-1024x683.jpg 1024w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-11-300x200.jpg 300w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-11-768x512.jpg 768w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-11-360x240.jpg 360w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-11-720x480.jpg 720w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-11-770x513.jpg 770w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-11-1400x933.jpg 1400w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-11.jpg 1500w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto via Vanessa Seifert (v.l.n.r. Luvre47, Tom Wittpohl &amp; Krow)</figcaption></figure>



<div style="height:3px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><strong>Das Album hat ja relativ lang auf sich warten lassen. Du bist schon länger dabei und hast auch gefühlt schon 100 EPs rausgebracht. Damit könnte man natürlich auch immer weitermachen und Ep nach EP rausbringen. Was war der Schlüsselmoment, wo du gesagt hast: „Jetzt ist es an der Zeit für ein Album“?</strong><br>Ich hatte schon die ganze Zeit den Wunsch, ein Album zu bringen, aber ich finde, es muss halt auch immer der richtige Zeitpunkt dafür sein. Ich habe ja sehr lange unter nicht ganz so professionellen Verhältnissen Musik gemacht. Erst über die letzten anderthalb bis zwei Jahre hat sich dann dieses professionellere Umfeld ergeben, mit mehr Optionen für Studios, mehr Freiraum für Qualität.<br>Über die letzten zwei Jahre sind einfach immer so Songs entstanden, bei denen ich gesagt habe, okay das sind für mich Album-Dinger. Die wurden dann erstmal beiseite gelegt und ich habe mich weiter auf die EPs konzentriert. Irgendwann war mehr oder weniger der Zeitpunkt fällig – also noch länger hätte ich, glaube ich, nicht warten dürfen. Ich finde, so eines Debütalbums bedarf es schon. Ich glaube, nur EPs machen ist kacke. Du musst irgendwann mal dieses Debütalbum gemacht haben, aber es wird bestimmt auch wieder kleinere Projekte von mir geben. Also jetzt gerade will ich noch ein Album machen, aber wenn ich danach Bock habe, eine EP zu machen, ist es wieder eine EP.</p>



<p><strong>Auf deinem Album befinden sich einige Songs, die im Vergleich zu deinen bisherigen Veröffentlichungen auffällig ruhig sind. Auf diesen gibst du auch persönlichere Einblicke in dein Privatleben, deine Familie und so. Wie kam es zu diesem Schritt, weil das davor ja eher eine Seltenheit war?</strong><br>Mir war schon immer wichtig vielfältig zu sein oder halt das zu machen, worauf ich Bock habe in dem Moment. Gerade bei meinen Anfängen war ich direkt in so einer aggressiven Straßenrap-, Graffitirap-Schublade und das hat mir mies nicht gefallen, dass man so darin festgesteckt hat. Deswegen habe ich schon am Anfang Songs gemacht wie zum Beispiel »<a href="https://www.youtube.com/watch?v=0TmmlVUDhU8&amp;ab_channel=LUVRE47">Jeden Tag</a>« damals und das hat dann auch relativ gut funktioniert. Danach hätte man wahrscheinlich noch mal sowas düsteres bringen müssen, stattdessen habe ich aber wieder eine ruhigere, nachdenklichere Nummer gebracht, was dann businesstechnisch nicht so smart war. Aber es hat halt immer dieses Mindset unterstrichen: Okay ich mach das, worauf ich Lust habe, ohne mich davon leiten zu lassen, was vom Soundbild oder vom Inhalt erwartet wird. Jetzt beim Album war es mir einfach wichtig, dass das Tiefe hat, weil sonst wäre es nur wie eine weitere EP gewesen. Mit dem Titel hatte ich dann schon ein Gerüst, wo es auch erlaubt war, sowas einfließen zu lassen. Natürlich jetzt nicht auf so eine verliebte Art und Weise, aber ohne dass einem das übel genommen wird.</p>



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<iframe title="LUVRE47 x PAULA HARTMANN -  KEIN BOCK (PROD. CADENCE)" width="1170" height="658" src="https://www.youtube.com/embed/XZhPV0sbtkk?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe>
</div></figure>



<div style="height:28px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><strong>Was den ruhigeren Sound angeht, hast du in einem deiner Videoblogs auf YouTube gesagt, dass die Resonanz an sich sehr gut ist, aber ein paar Leute gesagt hätten, die hätten gern mehr In-Die-Fresse-Rap gehabt.</strong> <strong>Dann habt ihr die Deluxe-Version gemacht und da waren dann 5 weitere Songs drauf, und abgesehen von »<a href="https://www.youtube.com/watch?v=XZhPV0sbtkk">Kein Bock</a>«, sind da schon mindestens drei Songs dabei, wie »<a href="https://www.youtube.com/watch?v=HPpY9z3upCc">Knocki</a>« oder »<a href="https://www.youtube.com/watch?v=0MEnmAeIl0I">Kahn</a>«, die gut nach vorne gehen. War das Absicht, um die Leute zu besänftigen oder was war da der Plan?</strong><br>Die erste Single »<a href="https://www.youtube.com/watch?v=jZSIUyajris">Tags &amp; Packs</a>« geht ja auch nach vorne und ab danach ging es dann immer ein Stückchen ruhiger und melancholischer oder melodischer zur Sache. Da habe ich schon die ganze Zeit gemerkt, okay das kommt auch gut an und das holt neue Leute mit auf den Schirm. Man darf sich danach ja nicht biegen, aber es gibt trotzdem Leute, die wollen dann immer dieses eine, wofür sie dich kennengelernt haben. Ich wollte irgendwie alle glücklich machen, weißt du? Aber diese Songs so »<a href="https://www.youtube.com/watch?v=HPpY9z3upCc">Knocki</a>« oder »<a href="https://www.youtube.com/watch?v=0MEnmAeIl0I">Kahn</a>« oder sowas, oder auch »<a href="https://www.youtube.com/watch?v=FEehKCWiU4Q">Flip</a>«, die habe ich halt nicht auf dem Kern-Album gesehen. Ich wollte sie trotzdem rausbringen, weil sie in meinen Augen gut genug waren, um sie zu veröffentlichen. Deswegen habe ich diese Deluxe Album Version gemacht und da wollte ich dann auch so Nach-Vorne-Dinger mit draufhaben. Gerade weil »<a href="https://www.youtube.com/watch?v=XZhPV0sbtkk">Kein Bock</a>« mit drauf war zum Beispiel, der ja wieder in die komplett andere Richtung geht.</p>



<p><strong>Da habe ich mich auch gefragt, bei dem »<a href="https://www.youtube.com/watch?v=XZhPV0sbtkk">Kein Bock</a>«-Song, der kam ja schon letztes Jahr raus. Warum habt ihr euch dazu entschieden, den Song auf die Deluxe-Version zu packen, aber nicht auf das Kernalbum, wo der ja eigentlich soundmäßig gut raufgepasst hätte?</strong><br>Der hätte voll raufgepasst. Wie erklär ich das? Das Ding ist, Paula hat ja auch einen gewissen Release-Zyklus. Wir kriegen ja alle mit, Paula wird einen sehr guten, steilen Weg gehen. Man musste schon berücksichtigen, wo passt das jetzt wie in die Release-Pläne rein. Wir waren halt schon voll in der Album-VÖ-Phase und ich wollte auf meinem Album kein Feature haben. Das war mir sehr wichtig. Deswegen war die Frage: Wie kriegen wir es aufs Album, ohne es aufs Album zu packen? Wir wussten, wir machen die Deluxe-Version und dann war halt alles klar. Wir packen den auf die Deluxe rauf. Dann ist er Teil des Albums, aber nicht in diesem 13-Song-Konstrukt mit drin, weil dann wärs mir tatsächlich auch zu ruhig gewesen. Ich glaub, das wäre dann ein zu krasses Gewicht auf so ruhigen, melancholischen Songs gewesen. Aber es war einfach auch eine Sache, die mit Zeit- und Releaseplan zu tun hatte, warum der Song so veröffentlicht wurde.</p>



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<iframe title="LUVRE47 - HERZ (PROD. DTP)" width="1170" height="658" src="https://www.youtube.com/embed/KtrFUNFQo5A?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe>
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<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><strong>Thema Sound: Dass so ein Song wie »<a href="https://www.youtube.com/watch?v=KtrFUNFQo5A">Herz</a>«, der eher persönlich ist, kein In-Die-Fresse-Song sein kann, ist klar. Aber auch die aktuellen Songs, die mehr nach vorne gehen, klingen schon anders als auf deiner »No Face No Name«-EP von 2017. Damals war es schon auch von den Drums her traplastiger, du hast viel mehr mit AdLibs gearbeitet, hast anders geflowt und deine Stimme anders eingesetzt. Wie kommt es&nbsp;zu so einer Veränderung?</strong><br>Veränderung ist unvermeidlich. Ich glaube, man geht einfach immer ein paar Steps weiter mit seiner persönlichen und musikalischen Entwicklung. Es macht eben keinen Spaß,&nbsp;immer das Gleiche zu machen. Das ist gar nicht unbedingt eine bewusste Entscheidung, sondern einfach eine stetige Weiterentwicklung oder normale Veränderungen des Stils. Also der Stil ist ja eigentlich nicht mal abhanden gekommen, aber ich weiß, was du meinst. Es ist nicht mehr ganz so dreckig und rough wie vorher. Aber ey, bei »No Face no Name« war ich glaub ich auch einfach vier Jahre jünger als jetzt oder so.</p>



<p><strong>Ist das dann auch so das Finden eines eigenen Sounds?</strong><br>Ja, voll! Da bin ich jetzt mittlerweile viel weiter und auch das nächste Album wird ganz anders klingen als »Herz«. Das ist glaube ich ganz natürlich, dass man sich da immer so ein Stückchen weiterentwickelt und&nbsp;die Musik sich natürlich entsprechend auch. Ich orientiere mich jetzt nicht immer unbedingt am Zeitgeist, der gerade vorherrscht, aber nichtsdestotrotz will ich auch nichts machen, was zu spät ist. Weißt du, also was jetzt irgendwie vor zwei Jahren cool war. Man versucht schon immer so einen Mittelweg zu finden zwischen aktuellem Sound und seinen eigenen Sound fahren. Deswegen ist das ein ganz normaler Prozess gewesen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-7-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-5646" width="770" height="513" srcset="https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-7-1024x683.jpg 1024w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-7-300x200.jpg 300w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-7-768x512.jpg 768w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-7-360x240.jpg 360w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-7-720x480.jpg 720w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-7-770x513.jpg 770w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-7-1400x933.jpg 1400w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-7.jpg 1500w" sizes="(max-width: 770px) 100vw, 770px" /><figcaption>Foto via Vanessa Seifert</figcaption></figure>



<div style="height:1px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p><strong>Berlin war glaube ich noch nie so gefragt wie jetzt. Ich würde behaupten, in Berlin wird aktuell deutlich mehr gemalt als in New York zu den besten Zeiten.</strong></p><cite>Luvre47 über die Entwicklung von Graffiti</cite></blockquote>



<p><strong>Was sich hingegen nicht verändert, ist die inhaltliche Thematik rund ums Sprühen. Auf den ruhigeren Songs natürlich weniger, aber du sprichst es schon immer wieder an. Ich habe so das Gefühl, dass die Graffiti-Thematik allgemein eine kleine Renaissance im Deutschrap erlebt in den letzten Jahren. Dass es einfach wieder mehr Thema ist zu Malen, nicht nur bei dir, sondern auch bei Shacke One, Papke, Saftboys oder so. Siehst du diese Entwicklung auch und wenn ja, woran glaubst du liegt das?</strong><br>Ich wollte grad sagen, Shacke war ja sogar ein bisschen früher dran als ich. Aber ich habe gemerkt, dass danach irgendwie auf einmal jeder irgendwo Graffitis und besprühte Züge in seinem Video hat. Also es hat auf jeden Fall eine neue Akzeptanz und einen neuen Reiz für viele gefunden. Ich glaube generell, Graffiti ist einfach krass populär geworden, hat sich sehr doll weiterentwickelt. Man hätte auch denken können, dass das Internet Graffiti irgendwie uninteressant macht, weil alle in Multimedia sind, aber im Gegenteil, das hat Graffiti nochmal einen ganz anderen Push gegeben. Ich glaube, das war noch nie so international vernetzt wie aktuell. Und Berlin war glaube ich noch nie so gefragt wie jetzt. Ich würde behaupten, in Berlin wird aktuell deutlich mehr gemalt als in New York zu den besten Zeiten.</p>



<p><strong>Also du glaubst, es liegt jetzt nicht daran, dass einfach mehr Leute darüber rappen, sondern auch dass die Szene einfach aktuell größer ist, also einfach auch mehr gemalt wird?</strong><br>Ich glaube, Graffiti war eine Zeit lang total verschrien. So Baggy-Pants-, Rucksackträger, ohne Namedropping jetzt, aber einfach diese Trueschooler-Filme, dass es halt so ein lachhaftes Hobby war. Über die letzten Jahre ist es halt ein bisschen bewusster geworden, gerade in Berlin. Sehr viele Unterwelt-Leute haben auch gemalt und sowas, also das ist gar nicht so weit weg hier von der wirklichen Straße. Deswegen hat das glaube ich auch über die letzten Jahre wieder eine andere Akzeptanz gefunden, weil mehr Vertreter wieder auf den Schirm gekommen sind, die die ganze Nummer jetzt nicht so lachhaft repräsentieren. Aber ich versuche es auf jeden Fall weniger einfließen zu lassen, wie gesagt, wegen dieser Schubladen-Geschichte. Ich versuche schon vielseitig zu sein und das jetzt nicht in jedem Song zu thematisieren. Aber es kommt immer mal wieder rein.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p><strong>Auf Industrieseiten haben auch ganz oft Leute ein Problem, mich in irgendwelche Schubladen reinzupacken und sind dann ganz oft einfach so richtig planlos, wie sie die Themen arbeiten sollen</strong></p><cite>Luvre47 über Genreschubladen</cite></blockquote>



<p><strong>Apropos Schubladen: Letztens kam eine <a href="https://www.youtube.com/watch?v=okVaMkr9o4A">Puls Musik Analyse</a> über dich heraus. Dort wurdest du als Teil der Berliner New Wave bezeichnet. Ist das ein Label, was dich überhaupt erstmal juckt und was denkst du darüber, ist das was, wo du dich zuordnen kannst?</strong><br>Ich mich selber ist nochmal eine ganz andere Schublade, aber ich glaube, gerade in Deutschland ist das irgendwie so ein Ding, dass Leute immer diese Schublade brauchen. Auf Industrieseiten haben auch ganz oft Leute ein Problem, mich in irgendwelche Schubladen reinzupacken und sind dann so richtig planlos, wie sie die Themen bearbeiten oder wie die das einschätzen sollen. Erst wenn sie dann auf einem Konzert waren oder mal das Album dreimal hintereinander gehört haben, fällt bei denen der Groschen, was es tatsächlich für eine Kunst ist.<br>Zum Thema Label, also jucken tut es mich gar nicht, ich kann mich schon selber da drin sehen, ich mach ja neumodischeren Sound. Das ist jetzt kein BoomBap, aber ich zähl mich eigentlich bei nix dazu. Ich mache immer mehr mein eigenes Süppchen als auf jedem Event zu sein. Das ist auch eine Sache, wo ich versuche, dran zu arbeiten, dass ich nicht komplett abseits des Kosmos bleibe. Insgesamt sehe mich da eher so ein bisschen außen vor, aber natürlich trotzdem mehr bei diesem New Wave Label als irgendwie Trueschooler, Boom Bap, Oldschool Hip-Hop oder so.</p>



<p><strong>Eine Sache, die dir dann auch immer gerne nachgesagt wird, nicht nur bei Puls sondern auch in Texten, die über dich geschrieben werden, ist, dass du wahnsinnig “schlaue” Texte schreibst, also Straßenrap, der besonders gescheit und irgendwie besonders gesellschaftskritisch daherkommt. Sind das Sachen, ohne die anzuzweifeln, die du dir selbst auf die Fahne schreibst, wo du sagst, mit der Motivation gehe ich jetzt ins Studio…</strong><br>…und schreibe einen schlauen Text. (lacht)</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-5-1-1024x683.jpg" alt="Interview mit Luvre47 über »Herz«, die Stigmatisierung seiner Musik und die ewige Frage der Authentizität" class="wp-image-5641" srcset="https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-5-1-1024x683.jpg 1024w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-5-1-300x200.jpg 300w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-5-1-768x512.jpg 768w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-5-1-360x240.jpg 360w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-5-1-720x480.jpg 720w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-5-1-770x513.jpg 770w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-5-1-1400x933.jpg 1400w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-5-1.jpg 1500w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto via Vanessa Seifert</figcaption></figure>



<div style="height:3px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p>Nee gar nicht, passiert einfach. Das ist halt nicht bewusst, weißt du. Also wenn ich mir ein Bild male oder irgendeinen Gedankengang habe, den ich jetzt sagen will, dann sag ich den einfach und ich glaube auch die Anspruchshaltung an dich selber entscheidet darüber, was dann passiert. Wenn ich mir zum Beispiel sage, okay ich will jetzt vielleicht nicht <em>Casino, Tarantino, Robert De Niro</em> reimen, weil das schon 1 Million Mal passiert ist und überlege lieber dreimal, was kann ich für andere Wörter und Formulierungen benutzen. Du kannst ja ein Bild auf 100.000 verschiedene Arten malen. Ich sag im Prinzip auch auf ganz vielen Songs nix Neues. Ich sag es nur auf meine Art und Weise oder aus meinem Blickwinkel. Ich glaube, das ist entscheidend, dass du deinen eigenen Anspruch an die Formulierung und an die Lyrik so hochstellst, dass es nicht austauschbar ist. Das ist ein Punkt, wo viele sagen, das klingt jetzt bisschen schlauer oder „wie Straße aber auf klüger&#8221;. Ich bin jetzt nicht auf den Kopf gefallen, das ist mir schon bewusst, aber es ist nicht so, dass ich mir denke, okay wie sag ich das jetzt so schlau wie möglich. Also das ist dann aufgrund meines Duktus&#8217; oder so keine Ahnung.</p>



<p><strong>Duktus…&nbsp; (lacht)</strong></p>



<p>Ja, das ist halt einfach mein Sprachgebrauch. Genauso wie auch Wörter dazwischen sind, die wieder voll aus dem, wie soll man sagen, Street-Dictionary sind. Das ist so ein Mix aus allem. Ist ja auch nicht jeder Song sozialkritisch, das sind immer so kleine Pikser. Weißt du? Also ich gehe auch gar nicht so ran und sag, okay was will ich kritisieren, was will ich beleuchten. Zum Beispiel »<a href="https://www.youtube.com/watch?v=jBfXqM9gMdw&amp;ab_channel=LUVRE47">Hamsterrad</a>« ist einfach so entstanden. Ich hatte die Hook und die Hook hat halt dieses Konzept vorgegeben. Da wusste ich, ich muss dieses Bild malen, warum ist das ein Hamsterrad oder sowas, aber trotzdem schreib ich einfach frei Schnauze los. Wenn ich mir dann bei irgendwas denke, das ist nicht gut genug, dann wird es halt ersetzt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-10-1-1024x683.jpg" alt="Interview mit Luvre47 über »Herz«, die Stigmatisierung seiner Musik und die ewige Frage der Authentizität" class="wp-image-5688" srcset="https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-10-1-1024x683.jpg 1024w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-10-1-300x200.jpg 300w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-10-1-768x512.jpg 768w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-10-1-360x240.jpg 360w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-10-1-720x480.jpg 720w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-10-1-770x513.jpg 770w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-10-1-1400x933.jpg 1400w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-10-1.jpg 1500w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto via Vanessa Seifert</figcaption></figure>



<div style="height:3px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><strong>Im Intro-Song sprichst du über dein Verhältnis zu Geld und auch auf anderen Songs umschreibst du es quasi als Gegenleistung zur Musik. Gleichzeitig legst du es aber weder darauf an dir möglichst populäre Features zu organisieren noch möglichst mainstreamige bzw. massentaugliche Mucke zu machen, um einen möglichst großen wirtschaftlichen Erfolg zu erzielen. Wie und wo ziehst du da diese Linie?</strong><br>Ich glaube das hat was mit langfristig Denken zu tun. Ich könnte jetzt eine Platte machen, die voll poppig und mainstream aber identitätslos ist. Die hilft mir aber nur temporär. Also wenn ich dann Glück habe und mein Team arbeitet die Platte gut und kriegt die auf den Markt, dann läuft die. Das heißt aber nicht, dass die Leute sich dann mit der Identität dahinter identifizieren, sondern der Erfolg kommt dann daher, dass du eine poppige Melodie hast oder ein geilen Song. Ich bin schon Fan davon nicht Top-Ten gehen zu müssen, aber trotzdem gutes Geld damit zu verdienen, weil du dir über Jahre halt eine richtig gesunde Fanbase aufgebaut hast. So à la <strong>Trettmann</strong>, das ist für mich viel wertvoller, weil es auch viel nachhaltiger ist. Ich meine, rappen ist ja auch so eine Sache. Also ich bin gespannt, wie lange die Generationen über uns durchhalten &#8211; ich weiß einfach nicht, wie lange du rappen kannst. Ab wann nervt&#8217;s oder du denkst dir so, okay Dikka mach mal Rente jetzt, weißt du. Ich bin gespannt, wann z.B. <strong>Sido</strong> usw. aufhören.</p>



<p><strong>Der ist mit den Jahren ja auch immer poppiger/mainstreamiger geworden. Also hast du auch noch Zeit später in deiner Karriere die Pop-Mucke zu machen?!</strong><br>Ist nicht mal mein Ziel, aber ich würde schon gerne welche machen können mit meiner kredibilen Geschichte dahinter. Zum Beispiel »<a href="https://www.youtube.com/watch?v=XZhPV0sbtkk">Kein Bock</a>« ist jetzt ja nicht unpoppig.</p>



<p><strong>Aber es wirkt nicht aufgezwungen.</strong><br>Ja genau, aber der ist trotzdem massentauglich. Also auch von den Zahlen, was der einfährt und so. Den hätte man sogar bestimmt viel größer aufziehen können, wenn ich schon an einem anderen Punkt wäre und Paula an nochmal einem anderen. Also der ist jetzt, wo er ist, sehr groß für uns beide, ist für uns beide der erfolgreichste Song bisher. Aber ich weiß nicht, wie der in zwei Jahren funktioniert hätte, wenn wir vielleicht beide noch weiter wären, dann könnte es vielleicht viel größer sein. Also ich glaube, es gibt schon Songs, die auch Massentauglichkeit hätten, aber halt aufgrund des Standings und nicht wegen dieses aufgezwungenen Major-Konstrukts dahinter mit Promo, PR, Presse und irgendwo 20 Tik-Toker einkaufen, die deine Sachen benutzen und so. Ich meine, so funktioniert die Scheiße ja.&nbsp;</p>



<p><strong>Bezüglich Geld hast du auch auf dem Titelsong »<a href="https://www.youtube.com/watch?v=KtrFUNFQo5A">Herz</a>« gesagt, dass du in deiner Ausbildung entschieden hast, du willst niemand anderen reich machen. Das ist natürlich auch in der Musikbranche schwer. Also man macht natürlich, auch wenn man Musik macht, irgendwelche Leute zumindest reicher. Wo ist da für dich so der Unterschied?</strong><br>Man sieht sie nicht, ich habe keinen Plan wer bei den Labels wie mit verdient. Aber ich kann von meinen Erfahrungen in meiner Ausbildungszeit sprechen. Dort habe ich meinen Chef jeden Tag gesehen. Meine Arbeitszeit startete um 7 Uhr, seine um 10 Uhr.</p>



<p><strong>Das siehst du beim Label nicht?</strong><br>Beim Plattenlabel haben die Mitarbeiter feste und geregelte Arbeitszeiten, das ist bei mir persönlich anders. Ich bin selbstständig und arbeite oftmals bis tief in die Nacht an meinen Sachen. Dadurch trage ich auch die Verantwortung für meine Einnahmen. Dementsprechend&nbsp;kann man das nicht von Leuten erwarten, die bei einem Konzern arbeiten und ihr festes Gehalt beziehen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-4-1024x683.jpg" alt="Interview mit Luvre47 über »Herz«, die Stigmatisierung seiner Musik und die ewige Frage der Authentizität" class="wp-image-5633" srcset="https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-4-1024x683.jpg 1024w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-4-300x200.jpg 300w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-4-768x512.jpg 768w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-4-360x240.jpg 360w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-4-720x480.jpg 720w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-4-770x513.jpg 770w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-4-1400x933.jpg 1400w, https://mostdope.tv/wp-content/uploads/interview-luvre47-4.jpg 1500w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto via Vanessa Seifert</figcaption></figure>



<div style="height:3px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><strong>Was die Live-Auftritte angeht, gab es bislang noch gar nicht so viele von dir. Man könnte ja behaupten, dass die älteren Songs wie »<a href="https://www.youtube.com/watch?v=_akx8ixUWKY&amp;ab_channel=LUVRE47">U7 Freestyle</a>« und so, was so Abriss angeht, die live-tauglicheren Songs wären im Vergleich zu den Neuen. Wie würde sich so ein Liveset, wenn du jetzt einen Auftritt hättest, zusammensetzen?</strong><br>Kommt auf das Setting an. Also bei meiner eigenen Tour habe ich schon den Anspruch, dass Vielfalt drin ist. Zum Beispiel jetzt beim Release Konzert, das war vor zwei Wochen, war es meiner Meinung nach nicht möglich auf »<a href="https://www.youtube.com/watch?v=XZhPV0sbtkk&amp;ab_channel=LUVRE47">Kein Bock</a>« zu verzichten, weil das der größte Song ist und da kommen definitiv Leute, um den Song zu hören, selbst wenn Paula krank ist, sie konnte halt da nicht kommen an dem Abend. Trotzdem war es irgendwie meine Pflicht, auch diese Songs zu spielen. Ich finde, bei einer Tour ist wichtig, dass du halt so einen Wechsel hast aus aktuell und alt oder ruhig und in die Fresse. Es ist wie in einem Club, ein DJ spielt ja auch nicht 3 Stunden lang nur Banger. Der hat ja auch die Aufgabe mal so alle 6, 7 Songs einen Scheißsong zu spielen, damit die Leute an die Bar gehen und sich ein Getränk holen können. So ähnlich ist es auch, ich will zwar nicht, dass die sich Getränke holen gehen, aber ich kann jetzt nicht anderthalb Stunden spielen und bei jedem Song Moshpits anzetteln, weil die dann beim letzten Song da stehen, gar keine Laune mehr haben und eigentlich nur im Arsch sind. Bei einem 30 Minuten Festival Slot ist es wieder komplett anders, da würde ich dann nur auf „in die Fresse&#8221; gehen. Die Releaseshow haben wir auch genutzt &#8211; wir haben das komplette Album gespielt &#8211; um herauszufinden, wie funktionieren welche Songs für die Tour am Ende des Jahres. Und da gibt es auch Songs wie »<a href="https://www.youtube.com/watch?v=ZSkXKW-HvSE&amp;ab_channel=Luvre47-Topic">G</a>«, die vermeintlich ruhiger sind, die auch voll abgerissen haben, wo Moshpits waren, obwohl das eigentlich so eine Mama-Dankeshymne ist. Genauso »<a href="https://www.youtube.com/watch?v=jBfXqM9gMdw">Hamsterrad</a>«, habe ich auch immer gedacht, boah der ist schwierig live, geht jedes mal übertrieben krass ab. Deswegen kann man da schon einen Mix aus allem machen, ohne dass die Leute jetzt stehen und die Hände vorm Bauch verschlagen.&nbsp;&nbsp;</p>



<p><strong>Deine Songs klingen von den Texten her so, als dass du sie eher an den Orten schreibst, von denen sie auch handeln. Jetzt warst du in Panama im Urlaub. Kommen dir dann auf einmal so Sommerhits, Lelele Hooks in den Kopf (lacht)?</strong><br>Nee, das ist wirklich hart, weil da wo du bist, das schreibst du. Das habe ich krass festgestellt. Wir waren auch schon vor zwei Jahren auf Malle mal und haben eine Woche Mucke gemacht und so. Das verzerrt dann schon. Also natürlich, so Konzeptschreiber, die sich hinsetzen, welches Thema will ich machen, welche Wörter will ich sagen, die können dann natürlich anders arbeiten. Aber ich bin einer, ich schreib sehr viel aus dem Bauch raus, aus den Momenten, aus den Empfindungen, und das verzerrt bei sowas dann schon hart meine Musik. Ich wollte jetzt keinen krassen Sommerhit machen. Ich habe zum Beispiel letztes Jahr in Valencia eine Hook geschrieben, die kommt jetzt auch, das wird evtl. ne Single vom nächsten Album. Das ist dann ein bisschen sommerlicher Sound, aber die Parts heben es wieder ein bisschen auf. In Panama hatte ich vor, Sachen fertig zu schreiben für das nächste Album. Ich hab gar nichts geschrieben.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p><strong>Wenn du eine Kamera hast, dann film das doch. Zeig mir doch deine &#8220;Hood&#8221;, und wenn deine Hood nicht wie eine Hood aussieht, dann sag nicht Hood.</strong></p><cite>Luvre47 über fehlende Authentizität</cite></blockquote>



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<iframe title="Spotify Embed: HOOD" style="border-radius: 12px" width="100%" height="80" frameborder="0" allowfullscreen allow="autoplay; clipboard-write; encrypted-media; fullscreen; picture-in-picture" src="https://open.spotify.com/embed/track/4meT0e06cNCZYIw6uEo397?si=f6462cdf07d043d1&#038;utm_source=oembed"></iframe>
</div></figure>



<p><strong>Das geht ja dann auch so ein bisschen in die Authentizitäts-Richtung und du hast auch auf dem letzten Song gesagt</strong> <strong>„Ihr redet nur von Hood, wir leben da”. Ist das sowas, was dich richtig abfuckt, wenn Leute darüber reden und es nicht leben, findest du da gehört zwangsweise ein gewisser Leidensweg dazu, damit das cool ist darüber zu rappen?</strong><br>Ja, scheiß auf Leidensweg, aber manche Leute stellen sich in so eine Umgebung rein, in der sie eigentlich gar nicht sind oder verkörpern etwas, dass sie vielleicht gar nicht sind. Wenn du dich dann, um dein Mucke authentisch rüberzubringen, in die Brennpunkte von Berlin schleusen musst, um da irgendwie heimlich oder auf schnell ein Video zu drehen, ist das für mich irgendwie unauthentisch und geht so in die Cap Richtung. Wenn ich jetzt rappe und sage, mein Bruder verkauft das und das Ott an dem und dem Block, dann fahre ich in ein Viertel, wo ich noch nie in meinem Leben war, einfach nur weil da geile Blocks stehen, das ist als würde ich nach Harlem gehen und vor <strong>Asap Ferg</strong>s altem Haus drehen und halt voll einen auf Hoodrat aus New York machen, aber ich kenn nicht einen Typen von da.</p>



<p>Kennt ihr <strong>Eda Vendetta</strong>? Sie ist bei uns aus dem Block und Influencerin. Eda hat das Problem in einem Post auf Twitter richtig treffend zusammengefasst.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-rich is-provider-twitter wp-block-embed-twitter"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="twitter-tweet" data-width="550" data-dnt="true"><p lang="de" dir="ltr">Vielleicht ab jetzt jeden Rapper, der fürn Videodreh vor meinen Block kommt einfach „abstechen“.<br><br>Dreht eure Rapvideos doch einfach aus Kredibilitätsgründen vor dem Reihenhaus eurer Eltern oder in dem Vorort aus dem ihr kommt. Dann klappts auch mit dem euch ernst nehmen.🙄</p>&mdash; Eda Vendetta (blauer Haken) (@EdaVendetta) <a href="https://twitter.com/EdaVendetta/status/1198555511769223173?ref_src=twsrc%5Etfw">November 24, 2019</a></blockquote><script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>
</div></figure>



<p>Bruder, wenn du das bist, was du machst, dann geh an deinen Block und zeig mir deine Welt. Deswegen will ich auch immer so viel bei uns drehen, weil ich rappe ja auch darüber. Wenn du eine Kamera hast, dann film das doch. Zeig mir doch deine „Hood”, und wenn deine Hood nicht wie eine Hood aussieht, dann sag nicht Hood. </p>



<p>Ich hab das auch oft, dieses „boah übertrieben Ghetto dies das“. Natürlich, ist eine bisschen schlimmere Ecke, wo ich herkomme, aber es gibt in ganz Deutschland eklige Ecken. Ich will gar nicht sagen, wenn jetzt einer aus Niedersachsen kommt, dass es da keine schlimmen Ecken gibt. Zeig mir deine krasse Ecke von Hannover, gibt es safe. Wahrscheinlich gibt es auch in Göttingen einen Block, wo es scheiße ist. Aber dann zeig mir den und zeig mir den auf deine Art und Weise. Fahr nicht nach Berlin jedes Wochenende und dreh deine Videos hier.</p>



<p>Du hast ein schlimmes Fass aufgemacht hier grade. Ich muss Woosah machen. (lacht)</p>



<p></p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="498" height="249" src="https://mostdope.tv/wp-content/uploads/bad-boys-2-martin-lawrence-woosaah.gif" alt="" class="wp-image-5649"/></figure>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><strong>Dann machen wir zum Abschluss lieber nochmal eine nette Frage und damit das Fass dann auch zu.</strong><br>Sorry, dikka, ja, wenig Schlaf. (lacht)</p>



<p></p>



<p><strong>Was die Entstehung deiner Musik angeht, würde mich interessieren, wer mit dir im Studio sitzt, abgesehen von Produzenten? Wem zeigst du deine Mucke, bevor du sie veröffentlichst? Hast du da Leute, die im Schaffungsprozess immer eingebunden sind – auch vielleicht im Hinblick auf die erwähnte Authentizität?</strong><br>Tatsächlich eigentlich bloß so, zwei, drei Personen. Einer meiner engsten Freunde, der auch Mucke macht, der veröffentlicht auch bald seine erste EP, <strong>TNF47</strong>, mit dem habe ich auch schon zwei Features gemacht. Von dem hol ich mir viel Feedback, weil wir auch die gleiche Musik hören und einen ähnlichen Musikgeschmack und ein ähnliches Musikverständnis haben. Aber das ist dann auch nicht so, dass ich mir das bewerten lasse, sondern eher so, wie findest du das, cool, weniger cool, interessant, nicht interessant. Ansonsten hol&#8217; ich mir fast nur noch Feedback von <strong>Jessie</strong>, meiner Managerin. Abgesehen davon vertraue ich da fast komplett auf mich. Ich habe das früher viel mehr Leuten gezeigt, bevor es VÖs gab. Zum Beispiel <strong>Bilal</strong> mit dem ich mein Büro und Lager zusammen mache, dem spiel&#8217; ich mal was vor. Der macht das Management von <strong>absent</strong>, hat also auch ein gewisses Musikverständnis. Aber ich habe aufgehört meinem ganzen Freundeskreis irgendwie jeden Sonntag meine Lieder zu zeigen und auf jede Meinung Wert zu legen.</p>



<p></p>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-medium-font-size">Vielen Dank geht an das <a href="https://l.instagram.com/?u=https%3A%2F%2Fwww.burgeramt.com%2F&amp;e=ATOAyBKJMxdRawK53UzQlNk2fIqhgDYSNbglrEVrOUFV3dHKP6m9aaveBacqmqQFOrDZV_o55gjDhthnSDoqY2bb7P5dB_WZDWIn-g&amp;s=1">Burgeramt</a> und <a href="https://www.instagram.com/heyvanessaseifert/?hl=de">Vanessa &#8216;Vanessagraphie&#8217; Seifert</a>.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://mostdope.tv/interviews/luvre47-ueber-herz-die-stigmatisierung-seiner-musik-und-die-ewige-frage-der-authentizitaet">Luvre47 über »Herz«, die Stigmatisierung seiner Musik und die ewige Frage der Authentizität</a> erschien zuerst auf <a href="https://mostdope.tv">Mostdope</a>.</p>
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